Sommerfest 2018

Sommerfest 2018

 

 

Fortsetzung einer guten Tradition:

Schaut man im weltweiten Netz unter „Norddeutsche Küche“, so öffnen sich fünf Unterkategorien: Bremer- / Hamburger- / Niedersächsische- / Pommersche- und Schleswig-Holsteiner Küche. In alphabetischer Reihenfolge folgen dann die Gerichte: Aalsuppe, Bregenwurst, ‎Fischbrötchen, Grünkohl und Pinkel, Heringssalat, Krabbensalat, Labskaus, Moppelkotze, Pinkel, Scholle oder Wattwurm, um nur einige zu nennen.

 

Natürlich beschränkt sich das Angebot der Köche des Algermissener Kulturbrunnen auf einige beliebte Gerichte. Beispielsweise das Fischbrötchen: in Norddeutschland gehört es zur Lebenskultur. An der Nord- und Ostseeküste ist es Kult. Seit 2011 wird dort jeweils im Mai der „Welt-Fischbrötchentag“ begangen. Die Hannover Messe wurde in ihren Anfängen im Volksmund als „Fischbrötchen-Messe“ bezeichnet – wegen der den Besuchern auf Brötchen gereichten Meeresspezialitäten.

 

Angesichts der Beliebtheit der Algermissener Bruchgrabenpfanne drängt sich die Frage auf, ob sie nicht schon längst zum Kulturgut der Norddeutschen Küche gehören müsste. Die Bratwurst ist international. Das erste Rezept kann man im ersten römischen Kochbuch von Apicius um 50 n.C. nachlesen. Ob sie beim Sommerfest auf der Menüliste steht? – Wohl eher eine Suggestiv-Frage.

 

Das Sommerfest findet am 23.Juni von 15 bis 19 Uhr am Alten Wasserwerk, Kranzweg 40b in Algermissen statt. Der Eintritt ist frei.

 

Text: Hans-Jürgen Niemann / Grafik: Thorsten Schröter

 

 

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Das Alte Wasserwerk jenseits vom Mainstream

Das Alte Wasserwerk jenseits vom Mainstream

 

„Denn sie wissen nicht, was sie tun“, der 1955er Kultfilm thematisierte erstmals die tiefen Gräben in Gesellschaft und Familie der USA des Puritanismus. Vor diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund wurde der Schriftsteller William S. Burroughs, ein Gentleman-Junkie mit Havard-Abschluss, Mitte der 60er-Jahre zum Identifikationssymbol einer Jugendkultur, die sich gegen Krieg, Konsumgesellschaft und konventionelle Lebensformen auflehnte. 1943 lernte er die Schriftsteller Allen Ginsberg und Jack Kerouac in New York kennen, mit denen er die gesellschaftskritische, skandalumwobene „Beat Generation“ verkörperte. Als zeitgenössisch musikalisches Pendant gilt Chet Baker, der zwar als einer der größten Romantiker des Jazz verklärt wurde, aber ein von Drogenexzessen zerstörtes, ganz und gar nicht romantisches Leben führte.

 

Schwere Kost für den Jazz & Lyrik-Abend im Alten Wasserwerk? Absolut nicht, denn der Abend stellte quasi die perfekte Symbiose von Jazz und Lyrik dar und bewies, welche Schönheit zum einen und welcher Druck zum anderen von Wort und Musik ausgehen können. Tilman Thiemigs Rezitationen waren von einer phänomenalen lautmalerischen Intensität und bedienten sich aller Register des klassischen und neuen Theaters. Damit eröffneten sich dem Zuhörer Fantasieräume, die ihn Raum und Zeit vergessen ließen und mit Gedanken einer Zeit konfrontierten, die auch in einer Spaßgesellschaft aktuell sein könnten.

 

Auch der legendäre Chet Baker hat von seiner Faszinationskraft bis heute nichts verloren, und wie hochaktuell seine Musik und Song-Interpretationen noch immer sind, stellte „Chettin’3“ aus Braunschweig im Alten Wasserwerk unter Beweis. Es war spannend, Stück für Stück zu lauschen und zu erleben, wie es dem Trio gelang, der atmosphärischen Schönheit der Originale auch auf dieser Bühne Raum zu verschaffen. An der Chet Baker-typischen Aura von zarter Melancholie war naturgemäß Walter Kuhlgatz mit seinem lyrischen Ton auf Trompete und Flügelhorn sowie seiner verhaltenen Stimme verantwortlich. Elmar Vibrans und Heinrich Römisch boten ihm ein eingespieltes und sicheres Fundament und rundeten mit ihren meisterlichen Soli den Abend zu einem beeindruckenden Erlebnis ab.

 

Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann
 

 

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Es grünt so grün

 

“Wir möchten, dass ein jeder sein Leben durch Pflanzen bereichert und das Vereinigte Königreich zu einem grüneren und schöneren Ort macht”, heißt es auf der offiziellen Seite der diesjährigen Chelsea Flower Show, einer jährlichen Gartenschau, die seit 1913 von der Royal Horticultural Society in London veranstaltet und von 150.000 Menschen besucht wird. Neue Pflanzen werden vorgestellt und die Beliebtheit der bekannten Pflanzenarten wird neu belebt.

 

Die erste Pflanzenbörse des Algermissener Kulturbrunnen konnte und wollte da natürlich nicht mithalten. Aber ein Anfang ist gemacht. Und das Angebot an Pflanzen und Garten-Accessoires war überwältigend, sowohl von seiner Vielfalt als auch von seiner liebevollen und arbeitsintensiven Vorbereitung und Darbietung, nicht nur von Seiten der LandFrauen – Pflanzen, Marmelade, Salz- und Zuckermischungen, Essige und Öle, Seifen, Badesalze und Peelings, Kochbücher, Rankhilfen etc., eingebettet in einen wunderschönen frühlingshaften Sonnentag.

 

Vielleicht könnte es künftig um mehr als reine Gartenästhetik und Gaumenfreuden gehen: „Stadtbienen sichern Ernte im Alten Land“ lautete die Überschrift eines Artikels im „Hamburger Abendblatt“. Ein Weckruf? – Jedenfalls plant der Algermissener Kulturbrunnen die Fortsetzung der Pflanzenbörsenreihe auch im nächsten Jahr.

 
Es grünt so grün Es grünt so grün

 

Es grünt so grün

 
Text und Fotos: Hans-Jürgen Niemann
 

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Innere und äußere Bilder, die betroffen machen

 

Innere und äußere Bilder, die betroffen machen
Das Leben Bernward Hollemanns war ein bewegtes und facettenreiches. Der internationale Not- und Entwicklungshelfer kam im Auftrag der Schweizer Regierung und der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH), sowie für die EU und UN als Berater nach Pyongyang, nachdem der Mangel im Land Ende der 90er Jahre so groß geworden war, dass es die internationale Gemeinschaft um Hilfe bitten musste. Statt des geplanten einen lebte und arbeitete der gelernte Agrar- und Wasserbauingenieur fünf Jahre im Reich des Diktators Kim Jong II.

 

Hollemanns Nordkoreavortrag im Alten Wasserwerk stieß auf reges Publikumsinteresse. Seine Ausführungen enthielten eine Flut von Informationen und persönlichen Eindrücken; innere und äußere Bilder, die betroffen machten. Ein von Kriegen gezeichnetes Land, das Jahrhunderte lang unter dem Einfluss benachbarter Großmächte wie China und Japan stand. Ein Land, das heute wie ein Gefängnis mit 24 Millionen hungernden Insassen anmutet: kontrolliert, reglementiert und überwacht von einem Militär, dem es an nichts fehlt. Kinder, die bereits im Alter von drei bis vier Jahren fernab ihrer Familie der staatlichen Gehirnwäsche unterzogen werden und sich entweder zur gedrillten Elite entwickeln oder schon im jüngsten Alter Arbeit auf den Feldern verrichten müssen. Kinder, die die gesellschaftliche Revolution im Sinne der nordkoreanischen Führung eingebläut bekommen und dem Machthaber in ständiger Demut ewige Treue schwören müssen. – Hierzulande nicht ganz unbekannt.

 

Hinter den ängstlich versteinerten Gesichtern finden sich menschliche Seiten, wie man sie in jeder, auch noch so unterdrückten Gesellschaft findet: die sprichwörtliche Kinderliebe der Koreaner etwa oder ihre Hilfsbereitschaft. Und natürlich der sehnsüchtige Wunsch nach Wiedervereinigung mit dem Süden. Nach Meinung Hollemanns dürfte es sieben Jahre dauern, bis Nord- und Südkorea – nach einer Übergangszeit, in der Russland und China im Norden investieren und die Amerikaner sich aus dem Süden zurückziehen müssten – wieder zusammengewachsen sein könnten. – Sag niemals nie.

 

Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann

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Irish Folk zum St. Patrick’s Day

Irish Folk zum St. Patrick's Day

 

Nicht nur, dass das Alte Wasserwerk beim Folkkonzert der hannoverschen Szeneband „Squish“ am St. Patrick’s Day aus den Nähten zu platzen drohte. Nach Angaben der Vorverkaufsstellen war das Publikumsinteresse im Vorfeld so groß, dass es für drei ausverkaufte Konzerte locker hätte reichen können. Die Irish Folk-Szene erfreut sich wachsender Beliebtheit, und mit der Einladung von „Squish“ landete der Kulturbrunnen einen regelrechten Glückstreffer: Astrid Heldmaier, Michael Möllers, Reiner Köhler und Tönnies Suits bereichern seit Jahren die hannoversche Folk-Szene und boten nun auch im Alten Wasserwerk ein grandioses Konzert.

 

„Squish“ zeigte sich toppräsent und fesselnd vom ersten Ton an. So erreichten die glücklichen Besitzer einer Eintrittskarte aus dem Stand Betriebstemperatur, denn keiner im Publikum vermochte sich der überschäumenden Energie der Jigs, Reels, Polkas und Hornpipes länger als einen Wimpernschlag zu entziehen. Die Performance der Band kam völlig unangestrengt, passgenau und traumwandlerisch herüber, sowohl im hochvirtuosen Unisonospiel der Melodie-Instrumente als auch in den vielfältigen Rhythmen und exzellenten Akzentuierungen von Gitarre und Bodhrán. Doch die irische Seele ist in gleicher Weise feinsinnig und gemütvoll, was besonders die Interpretation von Loreena McKennitts Liebeslied auf Irland, „Come by the Hills“, eindrucksvoll bewies. In anrührender und poetischer Weise schildert es die landschaftlichen Schönheiten der Grünen Insel und lässt jede Strophe mit einem lebensphilosophischen Ansatz enden: „And cares of tomorrow must wait till this day is done“ – die Sorgen von morgen müssen warten, bis dieser Tag gelebt ist.

 

Und das galt allemal für die Dauer dieses hinreißenden Konzerts.

 

Irish Folk zum St. Patrick's Day

Irish Folk zum St. Patrick's Day

 
Text und Fotos: Hans-Jürgen Niemann
 

 

 

 

 

 

 

 

 

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