Jagdgeschichten meet Wildgulasch – Krimilesung mit Marketing-Strategie

Autorenlesungen dienen in der Regel nicht nur der Unterhaltung sondern in gleicher Weise auch der Vermarktung von Büchern. Sie finden beispielsweise in Bibliotheken, Buchhandlungen, Kulturinstituten, in Literaturhäusern und auf Buchmessen statt. Oder vor organisierten Gruppen, wie Schulklassen, um die Freude am Lesen zu wecken. Auch Verlage organisieren Lesungen aus marketingtechnischen Gründen, um ein neu erschienenes Buch einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und es zu bewerben.

Dienen den Autoren ihre Romane als Vorlage, so stellen Sie einzelne Kapitel daraus in den Fokus der Lesung. Kurzgeschichten ermöglichen dem Autor eine größere Spannbreite bei der Auswahl seiner Leseproben. Sie werden in der Regel ganz gelesen. Christian Oelschläger stellte im Alten Wasserwerk nun eine weitere Variante vor, insofern als er seine Kurzkrimis an einer dramatischen Stelle abrupt mit dem Hinweis enden ließ, wer an der Lösung interessiert sei, der könne sich sein neuestes Buch „Auf trügerischer Spur“ kaufen. So mag sich mancher unter den Hörern vielleicht eine etwas unterschwelligere Marketingform gewünscht haben. Für ihn blieb der Abend daher in Teilen unerfüllt, gab es beim Hören doch nicht den abgerundeten literarischen Eindruck, den er sich besonders auch angesichts des Eintrittgeldes erhofft hatte.

Mit seinem Lektor Ulrich Hilgefort verbindet Christian Oehlschläger eine jahrelange Freundschaft. Dass sich die beiden bei der Krimilesung quasi von Minute zu Minute abwechselten, stärkte die Aufmerksamkeit des Hörers stets aufs Neue und führte zu einem kurzweiligen Abend in einer dem Alten Wasserwerk typischen, wohligen Atmosphäre. Der mit Lichteffekten untermalte gute literarische Eindruck wurde kulinarisch abgerundet durch ein Wildgulasch aus den Händen einiger Mitglieder der Kulturbrunnen-Kochgruppe.



Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann