2015

29. November 2015 – Shanties – Sea Songs – Salty Dogs – Kurzurlaub im Alten Wasserwerk


Hinterm Horizont geht’s weiter …

„Wasser ist ein freundliches Element – für den, der es zu beherrschen weiß“, soll sich Johann Wolfgang von Goethe einmal geäußert haben. Doch Wasser lässt sich nicht beherrschen, man kann lediglich lernen damit umzugehen. Wasser ist Leben und gibt Leben. Wasser ist aber auch eine zerstörerische Naturgewalt von unbändiger Kraft. Unberechenbar, geheimnisvoll und faszinierend zugleich. Inspiration für zahlreiche Geschichten und Lieder, die von fremden Ländern, Heimweh und rauen Burschen erzählen. Einen kleinen aber feinen Eindruck davon vermittelte der gut besuchte literarisch-musikalische Nachmittag mit dem Titel „Shanties – Sea Songs – Salty Dogs“ im alten Wasserwerk.

Shantys waren ursprünglich reine Arbeitslieder, die zur Zeit der Großsegler zur Unterstützung und Koordination körperlich anstrengender Arbeiten gesungen wurden, wie etwa beim Anker hieven, Segel setzen oder einholen. Sie dienten der Koordination bei ruckweisen Zug-Arbeiten oder rhythmischen Gehbewegungen. Zur Blütezeit der Shantys, im 19. Jahrhundert, war Großbritannien die führende Seefahrernation, daher sind viele der überlieferten Shantys in englischer Sprache; ursprünglich kein reines, sondern – unfeines – Pidgin-Englisch.

Den Auftakt der Seereise unter dem Kommando von Arno Dinse, Werner Preissner und Dieter Schaefer sowie dem Sprecher Ingo Arlt bildete die Geschichte der legendären SEA WITCH, einer damals neuen, revolutionären Generation von Teeklippern. Das Segelschiff absolvierte die Strecke Hongkong – New York im Jahr 1850 in der Rekordzeit von 74 Tagen, zerschellte später vor Havanna auf einem Riff. Weiter führte die Fahrt zu Herman Melvilles „Moby Dick“, jener Beschreibung der schicksalhaften Fahrt eines Walfangschiffes, dessen Kapitän mit blindem Hass den weißen Pottwal Moby Dick jagt. Der Übergang vom Walfang zur Piraterie ist recht fließend, und natürlich durfte in diesem Zusammenhang einer der hierzulande bekanntesten Seeräuber, Klaus Störtebeker, nicht unerwähnt bleiben. Der musikalisch-literarische Bogen zog sich dann weiter über die „Exxon Valdez“, dem Öltanker, der 1989 vor Alaska auf Grund lief und eine der größten Umweltkatastrophen der Seefahrt auslöste, bis hin zum unvermeidlichen, aber überaus humorvollen Spinnen von Seemannsgarn. Den Abgesang bildete nach gefühlten tausenden Seemeilen der Sea Song, „Five o’ clock in the morning“, in dessen Chorus die ganze „Mannschaft“ begeistert einstimmte: „…Time to get ready to sail“.

Die Begeisterung des Quartetts für die Seefahrt mit ihrer Anmut und Rauheit, mit ihren humorvollen und traurigen Geschichten und Liedern übertrug sich sofort auf das Publikum. Eine derart überzeugende, mitreißende Performance gelingt dann, wenn der Interpret, wenn der Erzähler seine Geschichte authentisch herüberbringt, wenn er zu fesseln vermag. Diesbezüglich ließen das gesprochene Wort, der intensive Gesang und das souveräne Gitarren- und Mandolinenspiel keinerlei Zweifel aufkommen, sondern trugen zu einem äußerst kurzweiligen und in vielerlei Hinsicht anspruchsvollen Nachmittag bei.



Text: Hans-Jürgen Niemann


21. November 2015 – „Wait4it“ präsentiert begeisternde Vokalkunst im alten Wasserwerk


Von Polyrhythmik bis zur Kunst der Fuge

„Wait4it“ – das „Warten“ hatte sich eindeutig gelohnt! Bereits nach dem ersten Song, Amy Mcdonalds „This is The Life“, stand das alte Wasserwerk Kopf. Kein Warm-up, kein Eingrooven. Zum Erreichen der Betriebstemperatur reichten wenige Takte. Die Begeisterung verharrte beim Publikum unvermindert auf dem höchsten Level – bis zum letzten Ton. Mehr ging nicht. In musikalischer wie choreographischer Hinsicht war der Konzertabend ein Highlight, basierend lediglich auf einem der natürlichsten, aber auch empfindlichsten Instrumente überhaupt: der Stimme.

Allerdings ist stimmliches Talent allein kein Garant für das Gelingen einer derart kurzweiligen und zugleich anspruchsvollen Darbietung. Neben der Performance hängt vieles vom Arrangement der Songs ab, beim vierstimmigen Gesang eine Kunst für sich, zumal wenn man, wie „Wait4it“, es nicht bei schlichten Dur/Moll-Klängen belässt, sondern mit Akkorderweiterungen arbeitet, die zwangsläufig zu gesangstechnisch schwieriger zu bewältigenden Dissonanzen führen, aber letztlich das Salz in der Suppe sind. Das Quartett setzt die Stimmen vielseitig und stetig wechselnd ein: als Lead- oder Nebenstimme, dann als perkussives, polyrhythmisches Element – Beatboxing und Wah-Wah-Effekte inklusive – schließlich auf lang gedehnten Vokalen singend, ähnlich einem Streich- oder Blasinstrument. Dieses permanente, kaum spürbare Umschalten führt zu einer äußerst farbigen Klangvielfalt.

Zudem herrscht fast ständig Bewegung auf der Bühne – traumwandlerisch. Gesangspaare finden sich zum musikalischen Dialog, um sich wieder zu trennen und ein neues Paar zu bilden, gerade so, wie es die Musik erfordert. Die damit verbundenen Richtungswechsel sorgten im Rundbau des alten Wasserwerks, über den gewollten dynamischen und choreographischen Effekt hinaus, für ein weiteres akustisches Phänomen: So vermutete man den Sänger / die Sängerin bisweilen neben sich, statt auf der Bühne, wenn er / sie nicht in Richtung Publikum sang, sondern zur Seite.

Dieser Konzertabend war eine Synthese aus jugendlicher Leichtigkeit und gesanglicher Vollkommenheit. Nichts schien dem Zufall überlassen zu sein, alles war perfekt inszeniert, selbstbewusst und sympathisch. Das Publikum hat es den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen gedankt. „Wait4it“ wird an seiner Erfolgsgeschichte weiterschreiben, das ist sicher. Man darf gespannt sein.

           

Text: Hans-Jürgen Niemann Fotos: Thorsten Schröter


7. November 2015 – Frieda & Matti im Alten Wasserwerk


Zwischen virtuoser Wortgewalt und Scat-Gesang

Schubladendenken strukturiert das Leben. Alles sauber in Kategorien abgelegt, ein Griff und man findet sie – die Antwort. Doch manches passt in keine Schublade. Wie etwa der Liederabend von „Frieda & Matti“ im alten Wasserwerk. Obwohl: so ganz stimmt das nicht, denn die Texte aus der Feder von Frieda Grube konfrontieren den Zuhörer mit seiner eigenen Gefühlswelt, sprechen ihm aus der Seele, halten ihm den Spiegel vor. Und so rieb auch er, der Zuhörer im alten Wasserwerk, sich ein ums andere Mal staunend das Kinn: “Besser hätte ich es nicht formulieren können“.

In der Tat. Die Liedtexte der Berlinerin sind ausdrucksstark, kommen natürlich und unangestrengt herüber, auch stimmlich. Texte einer Frau, die nicht wegschaut, sich berühren lässt, sich augenscheinlich nicht mit Halbwahrheiten abfinden will. „Bei positiven Liedern ist die Fallhöhe zu gering“, begründet Frieda Grube ihre vorwiegend nachdenklichen, gesellschaftskritischen Lieder. „Wir haben geredet, endlich geredet. Das war mal wichtig … Man merkt, man liebt sich, der Rest, der zählt nicht“ – zumindest ein Happy End. Das Lied „Die kleinen Dinge“ erzählt vom zumeist unbemerkten kleinen Glück: dem Spaziergang im Wald, dem Entspannen in der Badewanne: „Glück fängt ganz unten an … die sind so klein, die Dinge, dass man’s fast nicht merken kann“.

Das Tempo der Lieder musste bisweilen behutsam angezählt werden, damit das Duo nicht Gefahr lief, angesichts der hohen Frequenz an Silben pro Sekunde im Mittelteil aus der Kurve getragen zu werden. Der in der Regel zweistimmige Gesang war perfekt intoniert und interessant gesetzt. Matti Müllers großer Stimmumfang ließ es zu, sich scheinbar unangestrengt zwischen Bass und Alt zu bewegen. Mit seinem virtuosen, differenzierten Gitarrenspiel quer durch gängige Stilrichtungen ließ der Hildesheimer weder Bass noch Schlagzeug vermissen. Auch für die Vertonung der Texte zeichnet sich Matti Müller verantwortlich, was ihm melodisch wie harmonisch vortrefflich gelungen ist – eben nichts aus der Schublade.



Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Thorsten Schröter


23. Oktober 2015 – Werner Preissner solo und im Dialog mit Dieter Schaefer


harmonisches Duo

Der Abend wirkte wie ein gelungenes Warm up zum Folgekonzert am 29. November, wenn Werner Preissner und die hannoversche Band „Spätlese – rot und trocken“ mit Sea Songs und Shanties sich und ihre neue CD im alten Wasserwerk präsentieren werden. Es war ein Abend starker Gefühle. Gefühle eines unverbesserlichen Romantikers und Weltverbesserers, so machte es zumindest den Eindruck. Die Songzeile „Cares of tomorrow must wait till this day is done“ („Sorgen von morgen müssen warten, bis dieser Tag vorbei ist“) aus einem von Werner Preissners zahlreich und stimmungsvoll dargebotenen irischen Songs schien den ersten Set atmosphärisch komplett zu dominieren – trotz oder wegen einiger Antikriegslieder. „Hannes Wader hat mich geprägt“, verriet der Barde dem Publikum, „ hat vieles ins Deutsche übertragen, wie etwa das Lied >Kleine Stadt<, ursprünglich ein Song Phil Coulters aus dem Jahr 1973, der sich mit dem Nordirland-Konflikt auseinandersetzt.“ Den Romantiker ließ Werner Preissner mit dem Lied „Weile an dieser Quelle“ eindrucksvoll aufblitzen, einem seiner Lieblings-Liebeslieder.

Mit der Vertonung des Erich Kästner-Gedichts „Zur Fotografie eines Konfirmanden“ setzte Dieter Schaefer, Sänger und Gitarrist von „Spätlese – rot und trocken“, im zweiten Set einen Glanzpunkt: „Da steht er nun, als Mann verkleidet, und kommt sich nicht geheuer vor …“: mancher im Publikum schien sich zu erinnern. Mit zunehmender Konzertdauer nahm nun der musikalische Druck zu, was neben den begeisternd dargebotenen Sea Songs und Shanties auch dem Umstand geschuldet war, dass sich beide Musiker mittlerweile zum Duo zusammengefunden hatten und ausgezeichnet harmonierten.




Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Petra Schröter


16. Oktober 2015 – Blataster“ gastiert auf Einladung des Kulturbrunnens im Gasthaus Weiterer


Wer nicht dort war, hat etwas verpasst

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Deutschland eine Vorliebe für alles Amerikanische, im Alltag wie in der Alltagskultur. Das Nachtleben in Großstädten wie Berlin oder München war von Klubs, Bars, Kabaretts oder Revuen geprägt. Der Jazz hielt Einzug und erreichte auf Grund seiner Tanzbarkeit und dem vollen Klang der Bigbands und Salonorchester große Popularität. – Anders als nach dem Zweiten Weltkrieg, als er zunächst eher als Sprachrohr einer rebellischen Jugend galt.

Das hannoversche Salonorchester „Blatasta“ hat sich eben diesen Goldenen Zwanziger Jahren verschrieben, wobei sein Repertoire noch einen weiteren Bogen über Frank Sinatra bis zur Swingära spannt. Die Formation konzertierte auf Einladung des Algermissener Kulturbrunnens im Gasthaus Weiterer und ließ das Publikum mit seiner hinreißenden Musik und perfekten Performance von Beginn an den Charme jener längst vergangenen, aber noch allgegenwärtigen Zeit spüren. Allgegenwärtig insbesondere wegen zahlreicher Filmmusiken, die bis heute über den Äther kreisen.

Es war ein kurzweiliger Konzertabend, der neben Ohrwürmern wie „Veronica, der Lenz ist da“, Gershwins „ Lady be good“, „Bel Ami“ oder Frank Sinatras „My Way“ reichlich Hintergrundinformation bot, großartig dargeboten in Manier eines klassischen Conférenciers vom Sänger und Moderator Ralf Adamiec. „Blatastas“ voller, dynamisch differenzierter und ausgewogener Sound sorgte im Zusammenspiel mit der instrumentalen Vielfalt ein ums andere Mal für Begeisterungsstürme und stehende Ovationen. Abgerundet wurde das gute Gelingen des Abends durch ein gut eingespieltes Service-Team der Familie Weiterer.

„Gerne wieder“, so resümierte nicht nur der Vorstand des Algermissener Kulturbrunnen nach dem Konzert dieses begeisternde Konzerterlebnis.



Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Thorsten Schröter


6. September 2015 – FolkTrain setzt das Alte Wasserwerk ordentlich unter Dampf


Irish Folk und kulinarische Spezialitäten

Fast könnte man glauben, zwischen dem Algermissener Kulturbrunnen und Petrus existiere ein geheimer Bund: Costa del Sol-Wetter bei der „Fiesta Española“, dem diesjährigen Sommerfest; nahöstlicher Sternenhimmel beim „Kulinarischen Märchen aus Tausendundeiner Nacht“, dem Kochen der Flüchtlinge; und nun, pünktlich zum Open Air-Konzert von FolkTrain, ein typisch irischer Sommertag. Für das irische Wetter gilt bekanntlich, dass es sehr beständig ist – beständig insofern, als es sich schnell ändert. Die stürmische Irische See schien heute jedenfalls kaum einen Steinwurf entfernt zu sein.

Doch was da anrauschte, waren keine Wellen; es war ein unter Dampf stehender FolkTrain, der hauptsächlich irisches Gepäck mit sich führte, aber auch Utensilien aus Schottland, Kanada, Australien, sogar Spanien – „Irish Folk and more“ also. Und so kamen Geschichten aus dem Leben zum Vorschein, Geschichten, die in ihren Bann ziehen, wenn der Erzähler seine Rolle authentisch herüberbringt – eben wie an diesem Sonntagnachmittag. Mit seinen mitreißenden Interpretationen traditioneller Pubsongs und seiner ausdrucksvollen Darbietung lyrischer Balladen ließ FolkTrain den Zuhörer von Beginn an Zeit und Raum vergessen.

Eine entspannte aber konzentrierte Konzertatmosphäre – Traum aller Musiker – gab Cordula Gilsters wunderbar natürlichem Sopran Raum zur Entfaltung, Einen Glanzpunkt bildete ihre solistische Einleitung des Songs „Factory Girl“; unangestrengt, frei fließend und intensiv. Der Sound FolkTrains ist abwechslungsreich und farbig, was insbesondere mit der Vielfalt der Instrumente zu tun hat, die Wolfgang Gilster zum Einsatz brachte. Seine virtuosen Whistle- und Mandolinensoli sorgten ein ums andere Mal für erheblichen Druck im Kessel.

Während der englischen Herrschaft galt in Irland Tanzverbot, also steppten die Iren unterm Tisch.

Mag sein, dass sich Herbert Bajorath davon hat inspirieren lassen, als er sein ohnehin schon reichhaltiges Instrumentarium um ein Paar Steppschuhe erweiterte und zum Gitarrenspiel und Gesang auch noch steppte. Gleichzeitig! – Von wegen Männer könnten sich nur auf eine Sache konzentrieren. Beim Folk sorgt die Rhythmusgruppe für das musikalische Fundament, was eher unbemerkt und unspektakulär geschieht. Das Zusammenspiel von Herbert Bajorath und Eckard Grobe funktionierte traumwandlerisch. Ihr mächtiger Groove gab dem Solisten die notwendige Freiheit zur kreativen Entfaltung. So konnte auch Ursula Niemann jede Facette ihres ambitionierten Geigenspiels frei ausleben, mal hochvirtuos, mal verträumt und lyrisch – stets tänzelnd.

Um das Event zu komplettieren, wurden in der Pause, zu der Petrus eben mal einen irischen Regenbogen an den Himmel zauberte, dem verzückten Publikum kulinarische Spezialitäten von der Grünen Insel gereicht.



Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Heinrich Gebhardt


18. Juli 2015 – Sommerfest


Warum in die Ferne schweifen …

Die spanische Küche mit ihrer großen Vielfalt an Gerichten und Besonderheiten ist in erster Linie regional geprägt, wobei Fisch, Meeresfrüchte und Hülsenfrüchte verbindende Elemente darstellen. Die Paella ist ursprünglich ein valencianisches Gericht, doch mittlerweile sind in ganz Spanien zahlreiche von der traditionellen „Paella Valenciana“ abweichende Varianten entstanden.

Das mag der Grund gewesen sein für ein kleines Fachgeplänkel, das zwei der Viersterneköche des Algermissener Kulturbrunnens beim diesjährigen Sommerfest führten – in netter Form, versteht sich, denn es ging lediglich um zwei bis drei Esslöffel Reis zu viel oder zu wenig, und das wiederum bezogen auf eine ziemlich große Pfanne Paella. Dem Besucher konnte es egal sein, denn diese Paella war exquisit, was im Übrigen auch auf eine andere Variante im Angebot zutraf, der „Paella Foso de Agua“ – frei übersetzt: Bruchgrabenpfanne mit spanischer Note.

Barriga llena, corazón contento – voller Bauch, glückliches Herz

Die Köche, Grillmeister und Bäcker vom Algermissener Kulturbrunnen haben mit ihren variantenreichen spanischen Kreationen ganze Arbeit geleistet, von der aufwendigen Vorbereitung hin bis zur appetitlichen Darbietung. Alle Speisen waren liebevoll und frisch zubereitet, übrigens auch die Sangria, nichts kam aus der Konserve. Demzufolge traf das kulinarische Angebot im wahrsten Sinne des Wortes den Geschmack der Gäste und fand reißenden Absatz.

Neben dem Kulinarischen stellte auch das „Via España Quiz“ ein Völker verbindendes Element dar, dem die zahlreichen Besucher gern Folge leisteten. Am Ende ihrer sympathisch frischen Moderation konnte Petra Schröter vom Vorstand des Kulturbrunnens die drei Preise – eine Flasche spanischen Wein, einen Finna Faber-Bördekrimi und zwei Freikarten zum FolkTrain-Konzert am 6. September – den drei glücklichen Gewinnern überreichen.

Mit dem Sommerfest endete auch die Fotoausstellung „Man sieht es mir nicht an“ von Diana Wachow, die seit dem 12. Juli im alten Wasserwerk zu sehen war und eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Portraits zeigte, verbunden mit selbst verfassten Hintergrundgeschichten, die es den einzelnen Fotos zuzuordnen galt. Viele Besucher ergriffen die seltene Gelegenheit, mit der anwesenden Fotografin ins Gespräch zu kommen.

Das alte Wasserwerk wirkte an diesem Tag wie eine kleine spanische Enklave. Die vielseitigen Angebote vermochten alle Sinne anzusprechen – die Besucher ließen sich ausnahmslos darauf ein und steuerten damit zu einem entspannten und friedlichen Sommerfest bei, bei dem der sich verschärfende Konflikt um Kataloniens Unabhängigkeitswunsch dementsprechend nicht thematisiert sondern ausgespart wurde.



Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Heinrich Gebhardt


12. – 18. Juli 2015 – Fotoausstellung Diana Wachow




Fotos: Thorsten Schröter


13. Juni 2015 – Spätlese


Musikalisch-literarische Bildungsreise mit „Spätlese – rot und trocken“

Bildungsreisen definieren sich unterschiedlich: die einen arbeiten sämtliche europäischen Hauptstädte innerhalb einer Woche ab, andere benötigen nur für Edinburgh mehr als zwei. Sehen und erleben sind eben doch zwei Paar Schuhe. – So gesehen gehörte das Konzert des hannoverschen Trios „Spätlese – rot und trocken“ im alten Wasserwerk zur Kategorie Erleben und Horizonterweiterung, erwies es sich doch als Reise fernab jeglicher Oberflächlichkeit und Eventhysterie. Und lud damit zum Nachdenken ein – Brainstorming mit wippenden Knien, denn die Musik ging in die Beine.

Die musikalischen Wurzeln der Gruppe erstrecken sich von der amerikanischen über die irische und schottische Folkmusik hin bis zu Liedermachern. Doch das Amerikanische dominiert – nicht nur wegen mehrerer Songs von Woody Guthrie, jenes zu Lebzeiten politisch aktiven Lyrikers und Balladenschreibers, jener Ikone, die die US-amerikanische Folkmusik maßgeblich beeinflusste: „Ein Folksong handelt von Problemen und wie man sie löst“. Insofern war es eine gute Idee der Band, Woody Guthrie-Songs auch in deutscher Übersetzung zu präsentieren.

Die drei Musiker beherrschen ihre diversen Instrumente perfekt, sind gut aufeinander eingespielt, verstehen sich quasi blind. Der volle Sound fundiert auf den singenden, warmen Basslinien Erich Rickmanns. Den mächtigen Drive steuert Dieter Schaefer mit Stimmgewalt und variantenreich rhythmisiertem Gitarrenspiel bei, und last but not least sorgt Arno Dinse per virtuosem Finger-Picking für filigrane Elemente – das alles gewürzt mit präzisem mehrstimmigem Gesang.

„Es war seit jeher mein Bestreben, seelisch verwendbare Strophen zu schreiben.“ (Erich Kästner)

Die Auseinandersetzung mit sozialkritischen Texten setzt vom Darbietenden und vom Publikum gleichermaßen die Fähigkeit voraus, sich „berühren“ zu lassen. Die „VolXMusiK“ von „Spätlese – rot und trocken“ schafft hierfür exzellente Voraussetzungen. Ihr liegen Texte aus eigener Feder und von Schriftstellern wie Hermann Hesse, Kurt Tucholsky und Erich Kästner zugrunde, ihrem Lieblingsdichter. Da mag sich der eine oder andere die Augen reiben, doch dieser Konzertabend im alten Wasserwerk bewies eindrucksvoll, wie auch das kästnersche Lyrik- und Kabarettschaffen noch heute den Nerv trifft – Qualität hat eben Bestand.

Zum Schluss gab’s einen Vorgeschmack auf das Musikfestival am 4. Juli in Algermissen. Werner Preissner ließ sich nicht lange bitten, verließ seinen Sitzplatz und begab sich auf die Bühne: der „Mingulay Boat Song“ beeindruckte dann auch mit imposantem Männergesang – „sailing home, boys“.

Text: Hans-Jürgen Niemann Foto:


30. Mai 2015 – Plattenbörse


Vinyl-Tauschbörse und abendliche Disco

Die Wiederauferstehung und stete Zunahme der Verkaufszahlen des Vinyls feierte der Algermissener Kulturbrunnen am 30. Mai 2015 mit seiner ersten Schallplattenbörse und anschließender Disco. Leider hatte Petrus kein Einsehen und König Fußball tat ein übriges, und so fand sich eine recht überschaubare Gruppe Vinylfans zusammen, unter ihnen allerdings kein geringerer als Uli Kniep, vielen bekannt als Redakteur und Moderator bei radio ffn, vh-1, Radio 21 und nun für den NDR tätig. Er war der Einladung gefolgt und zeigte sich sichtlich beeindruckt vom Ambiente des alten Wasserwerks und der Leistung seines Vereins. Es ergab sich, wie üblich bei Veranstaltungen fernab vom Mainstream, ein intensiver Meinungsaustausch in ausgedehnten Fachgesprächen.

Die abendliche Disco wurde zur ausgelassenen Zeitreise durch die Popmusik, mit dem Schwerpunkt auf den 70er und 80er-Jahren liegend. Die Songs sorgten für den nötigen Druck, die DJs fachten die Stimmung zudem stetig und gekonnt an, und so hielt sich der Dampf bis in die frühen Morgenstunden im Kessel.



Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Thorsten Schröter


9. Mai 2015 – „Wood & Valley“ und „Ember Sea“ bringen das alte Wasserwerk leicht ins Wanken


Zweites Holy7 Unplugged-Konzert im Algermissener Kulturbrunnen

Das erste Gitarrenintro erweckte im Innern spontan Bilder vom Lifekonzert des amerikanischen Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel im Central Park. Falsche Fährte. Denn dann setzte die Stimme ein, und man wurde jäh ins Unplugged-Konzert Rod Stewarts 1993 im MTV-Studio gebeamt. Irgendwann schien auch Steven Tyler irgendwo im alten Wasserwerk zu schweben, der Sänger von Aerosmith. – Man rieb sich ungläubig die Augen.

Freigesetzt hatte diese Fantasien Lucas Bartusch, Sänger, Songwriter und Gitarrist, gebürtiger Osnabrücker, momentan Student an der Uni Hildesheim. Explosiv und mit hoher Voltzahl trieb er sich und das Publikum mit den energiegeladenen Stücken seines Wood & Valley-Projekts voran, die Stimme immer am Limit. Er, der den Sommer liebt, widmete ausgerechnet dem Winter ein Lied: „Dear Winter“ knüpft an Klassiker, wie „California Dreaming“ oder „Winterlong“ von Neil Young, an. „Show mercy on me“, diese Songzeile beweist dann auch Lucas’ geringe Affinität zur kalten Jahreszeit. Am Ende folgte ein warmer, lang anhaltender Applaus.



Ember Sea – twelve points, Ember Sea – douze points

Hätten die Zuhörer im alten Wasserwerk Punkte verteilt, sie wären sich in dieser Bewertung einig gewesen. Ember Sea, eher bekannt als Metal Band, lieferte ein grandioses Akustik-Konzert im alten Wasserwerk. „Here comes the storm“, Titel ihres ersten Songs, blieb Programm der gesamten Performance. Eva Gerland bewies mit sicherer Intonation und facettenreicher Stimme Extraklasse – die Bandbreite reichte vom warmen Sopran, Joan Baez ähnelnd, bis zur gewollt-dreckigen Rockröhre. Unangestrengt beherrschte sie jede Tonlage, gekonnt setzte sie ihre Kopfstimme ein, manchmal wie ein Orchesterinstrument klingend.

Einen gewaltigen Groove erzeugte die Rhythmusgruppe: Stefan Santag und Dirk Marquardt an den Gitarren, Pablo J. Tammen am Bass und Enrico Mier mit seiner Cajón inspirierten Sängerin und Publikum gleichermaßen. Dieser Drive war insbesondere jener virtuos gespielten Kistentrommel, die kein Schlagzeug vermissen ließ, und dem stets präsenten, aber nie aufdringlichen Bass geschuldet. Die beiden Gitarristen sorgten gekonnt für rhythmische und melodische Akzente. Nervenkitzel verursachten schließlich die unauffällig eingestreuten, von der Band bravourös gemeisterten Riffs; also jene virtuosen, unisono gespielten Passagen.

Und nicht zu vergessen: der großartige mehrstimmige Gesang von Ember Sea, etwas an Mumford & Sons erinnernd, mit dem die hannoversche Band ihr letztes Stück a cappella einleitete – Gänsehaut pur. Stehende Ovationen, drei Zugaben mit Publikumsbeteiligung.

Text: Hans-Jürgen Niemann Foto: Petra Schröter


14. April 2015 – Reisebericht über Botswana von Conny und Dieter Beckötter im alten Wasserwerk


Zu Gast im Paradies

Ganz Afrika ist in Aufruhr? Nein, nicht ganz Afrika. Man würde der Dimension dieses Kontinents nicht gerecht werden, auch den Menschen nicht. Als Hardy Krüger in den 1960er Jahren in Tansania den Film „Hatari” drehte, verliebte er sich in diesen Flecken Erde. „Glücklich, wer hier leben kann. Leben. Im ursprünglichen Sinne des Wortes”.

2000 km oder drei Flugstunden südlich von Tansania liegt Botswana, jener Binnenstaat, der seine Grenzen mit Südafrika, Namibia, Sambia und Simbabwe bildet. „Botswana ist vielleicht das Afrikanischste der Afrikanischen Länder“, erläuterte Dieter Beckötter seiner interessierten „Reisegruppe“ im alten Wasserwerk. Unendliche Weite, unberührte Wildnis und der grandiose Reichtum an Flora und Fauna sind Botswanas Schätze – neben Diamanten. Und dies soll auch so bleiben, denn Botswana setzt auf ökologischen Tourismus, um die ungewöhnliche Vielfalt dieses Landes auch der Nachwelt zu erhalten. Damit gerät der Preis für eine Rundreise mit Campübernachtungen nicht gerade zum Schnäppchen, aber das ist auch gut so, bewahrt es Land und Leute doch vor dem Zugriff von Ballermännern aller Art, also auch Jägern, denen das europäische Terrain mittlerweile zu unattraktiv geworden ist.

Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben die Zeit

Und Zeit braucht man, um sein Tagesziel zu erreichen: Zeit und eine ausführliche Straßenkarte – und Mut. Die Hinweisschilder beschränken sich oft genug auf die den Weg querenden Tiere. Die zahlreichen Rinder werden nicht immer angekündigt. Sie genießen normale Straßenrechte, und um sie nicht zu gefährden, fährt man halt nicht während der Dunkelheit. So einfach können Verkehrsregeln sein. So weit kann Respekt gehen. Die Volkszählung von 2011 geht von gut 2 Millionen Einwohnern aus, zumeist der Sotho-Tswana Gruppe innerhalb der Bantu-Familie zugehörig. Rund 43 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 20 Jahre, 40 Prozent davon HIV-infiziert. Auch das ist Afrika, auch das ist Botswana.

Conny und Dieter Beckötter


Das bezaubernd schöne Land ist nicht nur für das Okavango-Delta bekannt, das größte Binnendelta der Welt und ein Naturwunder der Superlative, sondern genauso für seine Nationalparks. Im Norden, im Chobe National Park erstrecken sich Sumpflandschaften und wildreiche Auen. Weiter südlich, im nördlichen Zentrum der Kalahari, beeindruckt eine surreale, karge, lebensfeindliche Landschaft im Makgadikgadi National Park mit den größten Salzpfannen der Welt, den Makgadikgadi Pans. Im Nxai National Park präsentiert sich die über 1000 Jahre alte „Baines’ Baobab“ Baumgruppe überaus eindrucksvoll. Sie wurde 1862 erstmals vom Maler John Thomas Baines gemalt, dem viele andere Künstler folgten, darunter übrigens auch Prinz Charles.

Während des gesamten Vortrags im alten Wasserwerk war nicht zu übersehen, wie überdeutlich die Bilder und Erlebnisse ihrer Reise Conny und Dieter Beckötter noch vor Augen standen. Und sie verstanden es großartig, ihr Publikum mitzunehmen und daran teilhaben zu lassen – das nun natürlich auf eine Fortsetzung hofft … klar.

Bei Interesse ist der ausführliche Reisebericht hier nachzulesen

Text: Hans-Jürgen Niemann Foto/Plakat: Thorsten Schröter


11. April 2015 – Blaupause, Yannik Nouveau und Die Ohrwurmproduzenten begeistern im alten Wasserwerk


Hochklassiges im Dreierpack

Erfolgreiche Schauspieler aus Film und Fernsehen tauchen mit einiger Regelmäßigkeit auf Theaterbühnen auf – sie suchen den direkten Draht zum Publikum, das Live-Erlebnis, den Applaus. Künstler und Publikum können sich gegenseitig zu wahren Begeisterungsstürmen hochschaukeln – wenn alles stimmig ist. Das schafft keine Konserve, im alten Wasserwerk ist es gelungen – wieder einmal.

In Kooperation mit dem Hildesheimer Veranstalter GOD-Events präsentierte der Algermissener Kulturbrunnen das erste von zwei Konzerten der Reihe Holy7 Unplugged. Vor gut besetzter Kulisse eröffnete das Liedermacher-Duo Blaupause mit dem Lied vom Dromedar den göttlichen Reigen und nahm gesellschaftspolitische Unbilden aufs Korn: Soziale Schieflagen, Neid und Missgunst als den Alltag beherrschende Stressfaktoren; menschliche Selbstüberschätzung und Anmaßung, die selbst vor Gevatter Tod nicht halt machen; schließlich unsere Wegwerfgesellschaft, die angesichts eines zunehmenden Individualdenkens Gefahr läuft, nicht nur materielle Güter viel zu schnell zu entsorgen. Eine Premiere gab’s auch: Die Welt ist schlecht. Und die wurde vom Publikum nicht, wie von den Künstlern augenzwinkernd befürchtet, mit faulen Eiern sondern mit Sympathiebekundungen und frenetischem Applaus quittiert.

Diesem gelungenen Auftakt des Konzertabends folgte der Soloauftritt Yannik Nouveaus. Mit einer Gitarre allein auf der Bühne zu stehen und alle Blick auf sich gerichtet zu fühlen, das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Der Druck war dem jungen Barden anfangs ein wenig anzumerken, aber es spricht für sein Talent und seine Klasse, dass und wie seine Performance im Verlauf seiner Darbietung zur Meisterlichkeit erwuchs. Besonders seine besinnlichen und melancholischen Texte und Melodien ließen den Funken schnell überspringen und gipfelten in dem Lied So stark wie du, einer Hommage an seine Mutter – nicht selbstverständlich für einen jungen Menschen, zumal, wenn seine Mutter im Publikum sitzt. Hut ab und danke für so viel Offenheit und Vertrauen. – Zwei Zugaben.

Den Abschluss des kurzweiligen Abends bildeten zwei Hildesheimer Liedermacher, die Ohrwurmproduzenten. Frei nach dem Motto Louis Armstrongs: „Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte. Es kommt nicht darauf an, was du spielst, sondern wie du spielst,“ sollte man ihre Musik nicht in eine bestimmte Musikrichtung einzuordnen versuchen. Texte, Musik und Performance trafen jedenfalls voll den Geschmack des Publikums, das sich auch zum Mitsingen animieren ließ. Titel wie Hommage an Dänemark, Rotes Tuch (aus dem Leben eines Toreros), Romeo und Julia oder Tapir (das coolste Tier im Zoo) zeigen zudem eine inhaltliche Bandbreite, die für jeden etwas bereithielt.

Der Konzertabend endete spät aber glücklich – und klingt nach.


Blaupause

Yannik Nouveau

Die Ohrwurmproduzenten

















Text: Hans-Jürgen Niemann Fotos: Petra Schröter


8. März 2015 – Regionalkrimi-Autorin Finna Faber liest im Algermissener Kulturbrunnen


Die Börde bebtDreierpack

Was für ein Wochenende! Samstagabend: „Harzer Brocken“ im Ersten, ein Lokalkrimi. Bei aller Liebe zum Harz, musste das sein? – Nach 10 Minuten saß man vorn auf der Stuhlkante. Von wegen provinziell! Sonntagnachmittag: der Algermissener Kulturbrunnen hatte zu einer Lesung eingeladen. Noch ein Regionalkrimi: „Wie die Saat, so die Ernte“, von Finna Faber, der spielt auch noch in der Hildesheimer Börde und nicht in Orten wie Midsomer. Ich kann es vorwegnehmen. Wer geistige Schmalkost erwartet hatte oder Loriots „Krawehl, krawehl“ aus „Papa ante portas“, sah sich bald getäuscht. Finna Faber verstand es exzellent ihre Zuhörer zu fesseln. Ihre Vorstellung war kurzweilig, witzig und informativ.

Die familiären Wurzeln von Christine Hahn, so Finna Fabers bürgerlicher Name, liegen in Algermissen. Ihre Großmutter war eine geborene Faber. Sie hatte vermutlich das literarische Talent ihres Großkindes erkannt und schenkte der damals Siebenjährigen ein Tagebuch, worin die junge Christine auch prompt ihre ersten Geschichten zu Papier brachte. Das Schreiben entwickelte sich im Verlauf ihres Lebens zu einer Konstanten, und die sich einstellenden Erfolge ermöglichten es ihr dann auch, als freie Mitarbeiterin der Goslarschen Zeitung tätig zu sein. Doch Talent allein reicht nicht: „Krimischreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss“, so erklärte Finna Faber dem interessierten Publikum im Algermissener Kulturbrunnen. Entsprechende Seminare nahm sie vor allem an der Bundesakademie Wolfenbüttel wahr.

Mit der ersten Fassung von „Wie die Saat, so die Ernte“ stellte sich Finna Faber einem Wettbewerb der Fernsehzeitschrift Gong. „Dass ich bei 480 Teilnehmern unter die ersten 20 kam, hat mir gezeigt, dass ich nicht unbedingt auf dem falschen Weg war“, kommentiert sie diesen beachtenswerten Erfolg mit sympathischem Understatement. Doch der Weg hin bis zum Erscheinen des fertigen Buches erwies sich als langwierig, steinig und kostenintensiv. Um die Rechte nicht an ein Lektorat abgeben zu müssen, was eine Verfremdung ihres Werks hätte zur Folge haben können, arbeitete Finna Faber autark und begleitete sämtliche Herstellungsabläufe persönlich. Selbst die Vermarktung ihres Werks ließ sie sich nicht aus den Händen nehmen.

„Wie kann man in einem Dorf ein Verbrechen verheimlichen?“ Das sei die Kardinalfrage gewesen, so die Autorin, die beim Schreiben ihres Buches richtungweisend war. Es geht um das mysteriöse Verschwinden von Landwirt Heinrich Wohlden aus Morsum – gemeint ist nicht Borsum, wie man aufgrund der Phonetik schließen könnte, sondern Algermissen. Pastor Fuchs, der über einen Mangel an Problemen mit seiner Kirchengemeinde nicht gerade klagen kann, befindet sich irgendwann mitten im Thema und – Pfarrer Braun lässt grüßen – nimmt persönlich die Suche nach der Wahrheit auf in dieser an Widersprüchen, Irrungen und Wirrungen reichen dörflichen Welt. Dabei steht ihm sein Schutzengel Bartholomäus zur Seite, der ihn vor größerem Unheil bewahrt.

Fortsetzung folgt? Angesichts der Begeisterung, die Finna Faber während der Lesung im Algermissener Kulturbrunnen verströmte, scheint es nahezuliegen. Ihre Fangemeinde würde es freuen.



Text: Hans-Jürgen Niemann Fotos: Petra Schröter


22. Februar 2015 – Märchenabend für Erwachsene


Was macht der Froschkönig im Kulturbrunnen?

Antwort auf diese Frage suchten die Besucher und Besucherinnen des Kulturbrunnens gemeinsam mit der Bledelner Märchen- und Geschichtenerzählerin Iris Hapke. „Geschichten und Märchen frei erzählen und der direkte Blickkontakt zum Publikum – das macht den besonderen Zauber aus“ so Iris Hapke. Und mit der Erzählung vom Froschkönig tauchte das Publikum in entspannter Atmosphäre und innerer Ruhe in die Welt der Märchen ein. Sehnsucht nach unvergänglicher Schönheit ist ein uralter Menschheitstraum. Die Stiefmutter von Schneewittchen könnte da eine Geschichte erzählen. Wir haben das Iris Hapke überlassen. Mit ihrer gefühlvollen Interpretation, Gestik und Mimik hat sie es geschafft, ihr Publikum in das Reich der Brüder Grimm zu entführen.

„Eine wunderbare Wandlung hat nicht nur der Frosch erfahren, sondern auch der ehemals unansehnliche Bau des heute liebevoll renovierten Kulturbrunnen“ bestätigte eine Besucherin.

Text: Petra Schröter







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