Nachlese

Die Band “Spätlese, rot&trocken“ aus Hannover zu Gast im Alten Wasserwerk Algermissen


Es gibt Lieder, die müssen gesungen werden – auch wenn sie in keiner Hitparade erscheinen


Einhellig positiv fielen die Reaktionen des Publikums aus: Von „angenehm überrascht“, über „musikalisch wieder klasse“ bin hin zu „sympathische Truppe“ äußerten sich die Zuhörer, die sich während der Spielpause zu einem Glas Wein in der Küche des Alten Wasserwerks traf.

Die hannoversche Band „Spätlese, rot&trocken – bestehend aus Arno Dinse (Mandoline, Gitarre, Gesang), Dieter Schaefer (Gitarre, Gesang) und Erich Rickmann (Bass, Gesang) – entführten ihr Publikum in vergangene Zeiten. Damals lebten ganze Generationen und Regionen vom Bergbau, heute ist der Beruf des Bergmanns ausgestorben. Die Arbeit untertage war schwer, was der Song “NoYou Won’t Get Me Down In Your Mine“ charakterisiert. Da geht es um Tragik und Leiden der Bergleute, die im Dunkeln arbeiten, weit weg von Blumen und Bäumen, weit weg von Frau und Kindern – und gar nicht so selten untertage sterben und begraben werde. Der Song setzt dem ein entschlossenes Statement entgegen: Nein! „Du wirst mich nicht in deinen Minen unter die Erde bringen.“

Vor allem die kritischen Texte beleben das Programm der drei Musiker, unter anderem von Erich Kästner, Woodie Guthrie oder Gerhard Gundermann, einem deutschen Liedermacher und Baggerfahrer, der sich als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier einen Namen gemacht hatte. So handelt der Song „The Mountain“ von der Schönheit der Natur und der damit verbundenen Dankbarkeit, dies jeden Tag erleben zu dürfen.

Dieter Schaefer hatte eine Überraschung parat: „Wenn wir in Algermissen auftreten, dann geht das nicht ohne Werner Preissner. Der hat zwar seine eigene Art zu spielen – aber das kriegen wir hin.“
Während “The days oft the clipper“ erklang, verbreitete sich im Zuschauerraum ganz allmählich der Geruch von Tee, Gewürzen, Salz, Teer und nassem Segeltuch, begleitet von Fernweh, von der Sehnsucht nach exotischen Ländern und schönen Schiffen. „Das Lied “the town I love so well” von Phil Coulter erinnert an den fürchterlichen Bürgerkrieg in Nordirland und bekommt mit den derzeitigen Folgen der Politik des BREXIT’s ungewollt neue Aktualität. In der deutschen Übertagung durch Hannes Wader heißt das Lied “Kleine Stadt” und spielt im Elsass“, so Werner Preissner.

Den zweiten Teil des Konzerts prägten Lieder mit kritischen Texten, etwa „Kleine Führung durch die Jugend“ von Erich Kästner, Theodor Kramer’s „Andere, die das Land nicht so liebten“ , das vom Verlassen der Heimat handelt, und eine Komposition des griechischen Komponisten, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis.

Als sich die Musiker nach gut zwei Stunden Programm von der Bühne verabschieden wollten, erklatschte sich das Publikum zwei Zugabe. Gemeinsam mit Werner Preissner sangen die drei Hannoveraner „Shoals of Herring“ (Schwärme von Heringen), das vom beschwerlichen Leben der Fischer an der Ostküste Englands erzählt. Den Abschluss des abwechslungsreichen und tiefgründigen Konzerts bildete „Das klein wild Vögelein“ – ein Lied, das um 1750 entstand. Sein Text „steht für alle, die nicht bereit waren, ihre Freiheit aufzugeben und sich für das Versprechen von Gut und Geld in die Knechtschaft der Fürsten zu begeben.“

„SPÄTLESE, rot&trocken“ brillierten im Alten Wasserwerk mit anspruchsvollen, eigenen und aktuellen Kompositionen, mit kritischen Texten und einem Mix aus Folk, Blues und Balladen. Das alles machte ihren Auftritt zu einem unvergesslichen Erlebnis.


Foto/Text: Petra Schröter




Comedy im Wasserwerk

Feuerwerk vom Feinsten


Wolfgang Grieger und die HIGH NEES begeistern das Publikum im Alten Wasserwerk
Jedes Feuerwerk setzt für die bunten und facettenreichen Licht- und Soundeffekte am Nachthimmel Feuerwerkskörper aller Klassen voraus. Das gilt auch für das Musik-Comedy Trio aus Wolfgang Grieger und den High Nees, die in ihrem Programm „Betreutes Scheitern“ ein Feuerwerk aus Rock, Pop und Country entfachten – bis zum griechischen Sirtaki. Heikle Verlegenheiten, geistreiche Albernheiten und selbst gebastelte Instrumente rundeten ihr Feuerwerk ab. Begleitet wurde Wolfgang Grieger vom Gitarristen und Bassisten Christian Schulz und von Achim Ritscher, dessen „Hühnerkiste“ nach eigenen Angaben viel besser klingt, seitdem die Hühner raus sind.
Entzückt war das Trio über das „ausverkaufte Haus“. Auch wenn sie meistens vor größerem Publikum spielen, versprachen sie den 50 Gästen einen würzig-spitzigen Abend mit Themen, die bisher von niemandem sonst besungen wurden. Mit Liedern wie: „Ich wollte immer ein Rebell sein, aber oft war mir nicht gut“, „Bei mir steh’n von den Nachbarn die Pakete“, oder „Es ist so schön in der Gerichtsmedizin“, sangen sie sich in die Herzen der Zuschauer. Dabei ging es nicht nur um den Gatten, der irrtümlich eine Beziehung zum Schwiegervater hat, sondern auch über den Besitzer eines Fußpflegesalons. Der will nicht zum „Klassentreffen“, weil es ihm peinlich ist, seinen Ex-Klassenkameraden einzugestehen, dass er an fremden Füßen herumfummelt. Ihre Kreativität scheint keine Grenzen zu kennen. So musizierte das Trio mit Walnuss und Häkelnadel, mit mehreren Fahrradklingeln, die an einer Stange befestigt sind, und einem bunten Kinder-Keyboard.
Auf und vor der Bühne wurde an diesem Abend viel gelacht und manche Träne aus den Augen gewischt. „Wahnsinn, jeder für sich ist ein Unikat“, so eine Zuschauerin. Nach zwei Stunden Musik- und Wortwitz-Feuerwerk ließen die Zuhörer das Trio nicht ohne Zugabe von der Bühne. Lautstark forderten sie mehr – und die Musiker beugten sich solcher Hartnäckigkeit. Doch nach drei Zugaben war Schluss: Jedes noch so schöne Feuerwerk erlischt irgendwann in der Dunkelheit.
Bleiben wird die Erinnerung an einen zündenden Abend – und ein Schmunzeln, wenn man für den Nachbarn ein Paket entgegennimmt…

Foto/Text: Petra Schröter



Auch 2020 Jazz im Wasserwerk

Frühschoppen in Algermissen


Algermissen. „Ich bin überrascht von dem kleinen architektonischen Juwel. Es ist schnuckelig, sehr nett und es ist toll, dass es im Ort als Kulturpunkt erhalten wird“, sagte Christa Könnecker mit Blick auf das Wasserwerk. Sie war gestern mit ihrem Mann Uli Zobel von Luttrum nach Algermissen gefahren, um dort den Jazz-Frühschoppen des Kulturbrunnens zu besuchen. Beide sind Fans der auftretenden Gruppe Nowottny. Die vier Musiker boten im Garten des alten Wasserwerks ein Programm aus Swing, Jazz und lateinamerikanischen Rhythmen, das bei den Besuchern hervorragend ankam.

Diese wippten mit Kopf oder Fuß zum Takt, unterhielten sich während der Songs kaum und wenn doch, nur im Flüsterton. Bereits gestern kündigte Vorsitzender Egbert Rösner an, dass das Programm für 2020 wieder einen Jazz-Frühschoppen beinhaltet. Feste Bestandteile sind zudem das Brunnenfest und die Pflanzenbörse. Angedacht ist, nach dem Erfolg im Frühjahr, die Börse zu vergrößern. Dafür will der Verein eine Fläche neben
dem Wasserwerk, die bislang für Parkmöglichkeiten herhielt, in Schuss bringen.

Ein anderer Wunsch des Vereins, der derzeit um die 75 Mitglieder zählt, ist ein Foyer. Dort könnte wie bei Theater und Kino vor Veranstaltungen ein Sektempfang organisiert werden. „Die Idee ist im Hinterkopf. Wenn es 2020 nichts wird, dann eben 2021“, sagte Rösner. Ihm zufolge überlegt der Verein außerdem, pro Jahr einige noch professionellere, teurere Gruppen nach Algermissen zu holen. Dabei muss er stets die Finanzen im Auge behalten. Gebucht für den 14. September sind Wolfgang Grieger und die High Nees. Die hannoversche Comedy-Kapelle bringt Kabarett, flotte Sprüche, Wort- und Lied-Witz auf die Bühne. Es ist das erste Mal, dass Music-Comedy im Wasserwerk auf dem Programm steht. mll

Auf dem Bild: Bernd Dallmann (Mitte), Heinrich Römisch (links) sowie Agim Bletan. FOTO: MELLANIE CAGLAR

Dies Artikel erschien in der Hildesheimer Allgemeine Zeitung



Brunnenfest, Bilderausstellung und Livemusik

Sommer, Sonne und gute Laune im Alten Wasserwerk Algermissen


Bei hochsommerlichen Temperaturen hat der Algermissener Kulturbrunnen e.V. mit seinen zahlreichen Gästen sein diesjähriges Brunnenfest gefeiert.

Bilder in Öl und Acryl auf Leinwand oder Papier brachte der Maler T.A. Böker zu seiner Ausstellung mit. Nach der Eröffnung der Ausstellung durch den 1. Vorsitzenden Egbert Rösner stand Böker seinem interessierten Publikum für Fragen zur Verfügung.

Für die neun eingereichten Einsendungen des ersten Fotowettbewerbs wurden im Rahmen des Brunnenfestes fleißig Stimmen von den Besuchern eingesammelt. Wir gratulieren Sonja Eikermann aus Algermissen zu ihrem Siegerfoto, aufgenommen auf einem Stoppelfeld in der Umgebung von Ummeln und zeigt Amy Grupe mit ihrer Stute Scarlett. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte Torsten Grenz, der mit seinem Soloprojekt Joyful Sorrow zu Gast im Alten Wasserwerk war. Zusammen mit Stephan Lauckner an Gitarre und Cajon unterhielten sie ihr Publikum nicht nur mit selbst geschriebenen Songs, sondern coverten auch bekannte Stücke.

Sommer, Sonne und gute Laune – so lässt sich das diesjährige Brunnenfest kurz und knapp zusammenfassen.

Text: Petra Schröter, Fotos: Alex Barczyk






„Freundschaft – was uns verbindet“

– unter diesem Motto stand der erste Fotowettbewerb des Algermissener Kulturbrunnen e.V.


Für die neun eingereichten Einsendungen des ersten Fotowettbewerbs wurden im Rahmen des Brunnenfestes fleißig Stimmen von den Besuchern eingesammelt.

Über den ersten Preis (einen Gutschein vom La Gondola Algermissen im Wert von 50€) freute sich Sonja Eikermann aus Algermissen. Auf dem Bild sieht man Amy Grupe mit ihrer Stute Scarlett. Entstanden ist das Foto im Sommer 2018 auf einem Stoppelfeld in der Nähe des Reitvereins ChamBadi in Ummeln.

















1. Platz Sonja Eikermann

Grund zur doppelten Freude hatte Andrea Heumann aus Bockenem. Ihr Foto “Begegnungen”, das anlässlich ihrer Reise durch die Mongolei entstand, belegte Platz zwei (ein Kino- Gutschein über 25€ und eine Umhängetasche). Da es zwei dritte Plätze gab – entschied das Losverfahren und ihr zweites Bild, – ebenfalls ein Motiv ihrer Reise durch die Mongolei – belegte Platz drei (je zwei Freikarten für das Planetarium Wolfsburg und ein Konzert ihrer Wahl im Alten Wasserwerk Algermissen).













2. Platz Andrea Heumann













3. Platz Andrea Heumann













Preisübergabe an die strahlende Siegerin Sonja Eikermann

Herzlichen Glückwunsch den beiden Gewinnerinnen!


Text: Petra Schröter



Von zart bis hart

Ember Sea brachten etliche Musikvorlieben unter einen Hut


Den Weg zur Bühne fand die bereits vor zehn Jahren gegründeten Band Ember Sea um die Frontfrau Eva Gerland allein. Schon zum dritten Mal gab sich die Rockband aus Hannover am 4. Mai hier die Ehre und rockte – wieder unplugged – das Alte Wasserwerk Algermissen. Ember Sea, das sind Stefan Santag (Gitarre), Pablo J. Tammen (Bass), Dirk Marquardt (Keyboard) und Enrico Mier (Schlagzeug/Cajon). Die Truppe, die man vielfach auch im Gothic-Metal-Bereich verortet, überraschte so manchen mit ihrer stilistischen Bandbreite.



Schon beim vorigen Auftritt im Alten Wasserwerk erzählte Eva, dass die Band intensiv Songwriting betreibt. Zum Einstieg gab es den ersten Titel aus dem Album „How to tame a heart“: „To Atlantis“, der zwischenzeitlich sogar auf Platz 1 der Amazon Hardrock & Metal Charts stand. Nur unverstärkt mit akustischen Instrumenten kam als Premiere auch der Titel „The Ones“ bei den Fans gut an. Aus ihrer Leidenschaft fürs Covern macht Eva keinen Hehl. Das Publikum groovte und klatschte zu Coverversionen von Iron Maiden „The Number of the Beast“ sowie zu, „Rock You Like a Hurricane“ von den Scorpions. Ganz andere Richtung: Mit „Never let me down Again“ kam Depeche Mode-Feeling nach Algermissen.

Die Band, die seit 2009 fester Bestandteil der Hannoverschen Musikszene ist, brillierte mit ihrer Professionalität und vor allem durch den kraftvollen Gesang von Eva Gerland. Im Alten Wasserwerk war es besonders die Mischung, die bei ihren Fans gut ankam. Songs aus dem ersten Album „Nova“, gepaart mit Coverversionen und Titeln ihres neuen Albums brachten immer wieder einen Wechsel zwischen rockigen, kraftvollen aber auch leisen Tönen. Man muss ja, wie es Frontfrau Eva auf den Punkt brachte: „auch mal ne ruhige Kugel schieben“.

Viele Fans hatten auch auf den Titel „Dreh dich“ vom ersten Album gewartet, der im Original mit harten E-Gitarrenriffs und leisen Synthieklängen aufwartet, aber mit tanzbarem Rhythmus und mitsingbarem Text Ohrwurm-Qualitäten hat. Er kam. Und mit ihren letzten Songs vom regulären Set wagte sich die Band auf Neuland. Sie coverten nicht nur „The Look“ – ein Song des schwedischen Pop Duos Roxette – sondern sie rappten und performten einen Titel der deutschen Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier. So forderte das begeisterte Publikum Zugaben, zu denen sich die Mitglieder von Ember Sea nicht lang bitten ließen.


Text und Fotos: Petra Schröter



Quartierwechsel – Pflanzen auf der Reise zu ihren neuen Standorten

Zweite Pflanzenbörse des Algermissener Kulturbrunnen e. V. auf Erfolgskurs


Am 27. April hatte der Kulturverein alle interessierten Hobbygärtner und- gärtnerinnen zu seiner zweiten Pflanzenbörse in den Garten des Alten Wasserwerks Algermissen eingeladen. Egbert Rösner, 1. Vorsitzender, begrüßte die ersten zehn Besucher mit einer Tüte Blumensamen – für Kids gab es in diesem Jahr erstmalig ein kreatives Kinderprogramm.

Und dass Gärtnern voll im Trend liegt, daran ließen die vielen Besucher und Besucherinnen keine Zweifel. Über zehn Aussteller boten in diesem einmaligem Ambiente und bei frühlingshaftem Wetter nicht nur überzählige Pflanzen und Züchtungen aus ihren heimischen Gärten an, sondern auch selbstgemachte Marmeladen, Öle und Essenzen, sowie Gartenaccessoires aus Metall und Ton. Es entstand eine einmalige und vielfältige Auswahl an schönen Dingen, anschaulichen Informationsmaterial und allerlei Pflanzen. Dass dieser Anblick das Herz eines jeden Hobbygärtner höherschlagen lässt, ergibt sich von selbst. Und so wechselten Stauden, Kräutertöpfe, Setzlinge und Accessoires ihre Besitzer. Die Hobbygärtner und – gärtnerinnen gaben den Käufern meist noch Ratschläge zum Standort, Bewässerung, Düngung, Rückschnitt oder Kombinationsmöglichkeiten der Pflanzen mit auf den Weg, was die Besucher und Besucherinnen besonders freute.

Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt und unsere Gäste hatten die Qual der Wahl: Herzhaft – mit Bratwurst und Steaks oder süß – mit Kaffee und frisch zubereiteten Waffeln.

Am Ende der zweiten Pflanzenbörse waren sich Veranstalter, Aussteller und Besucher einig: Es war ein gelungenes Event. Anette Hauenschild, die bereits zum zweiten Mal ausstellte, brachte es auf den Punkt: „Es gab viele nette Gespräche, das Ambiente ist einmalig und ich komme auf alle Fälle im nächsten Jahr wieder.“ Dass es eine Fortsetzung der Pflanzenbörse geben wird, versprach Egbert Rösner: „Die Pflanzenbörse soll eine regelmäßige Veranstaltung werden, die jeweils am letzten Samstag im Monat April stattfindet. Wenn der Andrang der Gartenfreunde im nächsten Frühjahr noch größer wird, denken wir über Expansionsmöglichkeiten nach“, so (augenzwinkernd) Rösner und man merkt ihm an, dass er bereits einen Plan hat.


Text und Fotos: Petra Schröter




















St. Patrick’s Day wird weltweit gefeiert – da macht Algermissen keine Ausnahme

Sue Sheehan Band zu Gast im Alten Wasserwerk




Jährlich am 17. März ist die Welt ein bisschen grüner. Dann nämlich wird nicht nur in Irland, sondern weltweit der St. Patrick’s Day gefeiert. So auch im Alten Wasserwerk Algermissen. Die amerikanische Songwriterin mit irischen Wurzeln, Sue Sheehan, ist am 17. März mit ihrer Band in den Kulturbrunnen Algermissen gekommen, um als Quartett Songs aus eigener Feder aber auch Traditionelles zu performen – amerikanisches Songwriting mit einer Prise Gospel und Jazz.

Im ausverkauften Haus konnte sich das Publikum schon beim ersten Titel „Wind“ fühlen wie an einem Sommerabend: im Gras liegend und nur den Moment genießend. Viele der englischsprachigen Kompositionen verarbeiten selbst Erlebtes der Sängerin. Sue Sheehan lebt seit 1986 in Europa und sie lässt sich von Begegnungen und Reisen inspirieren, etwa im Titel „Waiting for the train“. Um Sehnsüchte dreht sich das Stück „Magic and dreams“ – die Sängerin scheut sich nicht, auch politisch hoch brisante Themen anzusprechen.
Natürlich: Kein Konzert am St. Patrick’s Day ohne eine Hornpipe, also ein traditionelles Tanzstück der schnellen Töne.

Guido Plüschke fungiert als Entertainer des Quartetts, und mit seiner leichten und unterhaltsamen Art ließ sich das Publikum etwa bei den Tanzstücken „From Galway to Dublin“, „My love is in America“ sofort mitnehmen. Es honorierte die Stücke mit anhaltendem Beifall. Der Gitarrist Cornelius Bode und die Flötistin Gabriele Bode machen das Quartett komplett. Cornelius Bode sieht sich „als Rückgrat der Band“ und er ließ mit „gefühlvollem und perkussiven Gitarrenspiel die passende Atmosphäre entstehen.“ Gabriele Bode beeindruckt das Publikum mit ihrem intensiven Flötenspiel.

Dass die vier Spaß am gemeinsamen Musizieren haben, war während des gesamten Konzertes überdeutlich und auch, wie wichtig es ihnen ist, ihr Publikum auf eine musikalisch vielseitige Reise mitzunehmen. Das funktionierte, wie man am donnernden Applaus am Ende ihres zweistündigen Konzertes und nachdrücklichen Zugabe-Wünschen unschwer erkennen konnte. Fazit: Ihre Songs illustrierten, warum Irland seinen Beinamen „grüne Insel“ zu Recht trägt. Und nach häufig zu hörenden Spruch, dass sich in Irlands Landschaft „40 shades of green“ – also 40 verschiedene Grüntöne – verstecken, kann man davon ausgehen, dass die Sue Sheehan Band daraus noch eine Menge mitreißender Musik machen kann.
















Text Petra Schröter, Foto: Thorsten Schröter






Vollendete Vokalmusik ohne aufgesetzte Effekte:

„Wait4it“ setzt Glanzpunkt im Alten Wasserwerk


1994 erschien beim ECM-Label eine CD, die die Macht der Stimme ähnlich symbolisieren sollte wie die Musik der „Drei Tenöre“ oder der „Wise Guys“: „Officium“. Das in der langen Tradition des englischen A-cappella-Gesangs stehende „Hilliard Ensemble“ hatte sich mit dem norwegischen Starsaxofonisten Jan Garbarek zusammengetan und tourte einige Jahre mit seiner mit freien Saxofonlinien unterlegten Renaissancemusik des spanischen Komponisten Cristóbal de Morales quer durch Europa. Die Konzerte fanden ausschließlich in großen, meist ausverkauften Kirchen statt, wo die akustischen Verhältnisse Klang und Zusammenspiel von Stimme und Saxofon sich in besonderer Weise entfalten ließen.

Die Begeisterung für A-cappella-Musik im Allgemeinen und für „Wait4it“ im Besonderen sorgte auch im Wasserwerk für ein ausverkauftes Konzert. Doch akustisch spielt der feine aber kleine Veranstaltungsraum naturgemäß in einer anderen Liga als Kirchen. Seine trockene Akustik fordert heraus statt zu unterstützen, und sie verzeiht nicht den kleinsten Wackler, zumal bei einem Vokal-Quartett, das bei seinem Vortrag eine große dynamische Bandbreite abdeckt – unplugged. Umso schwerer wiegt der exzellente Eindruck, den „Wait4it“ trotz dieser Widrigkeit in punkto Intonation und Ausgewogenheit – wieder – hinterlassen hat.

Die Eröffnung des Abends gedieh zart: „November“, eine Eigenkomposition, entwickelte sich aus einem einstimmigen Gesang, um sich allmählich zur Mehrstimmigkeit mit aufsteigend gebrochenen Akkorden zu entwickeln. Choreographische Elemente wurden kongruent zur musikalischen Steigerung eingeschliffen, wie auch Wah-Wah-Effekte und Scatgesang. Nicht minder eindrucksvoll fiel das Arrangement von „Danny Boy“ aus, dem irischen Klassiker „A Londonderry Air“, polyphon konzipiert, wobei die Stimmlagen regelmäßig zwischen Lead- und Gegenstimme wechselten. Dieses kaum spürbare Umschalten, wie auch das Nachahmen von Bass und Schlagzeug durch Vocal Percussion oder Beatboxing, durch Klatschen, Fingerschnipsen oder Eggshaker fanden sich in diversen Stücken des Ensembles wieder und trugen zu einer farbigen Klangvielfalt bei.

„Wait4it“, das sein vorzügliches Können, seine erstklassige Performance angenehm selbstbewusst präsentierte, zeigte sich bei allen künstlerischen Superlativen entspannt und sympathisch. Das exzellente Konzert fand mit dem bezaubernden Lied „Feuerzeug“ zur Ruhe, und die Songzeile, „Ich brauch keinen Himmel voller Sterne“ entsprach dem Gefühl des andächtigen Zuhörers, der nachhaltig erfüllt war von einem wunderschönen Musikerlebnis im Alten Wasserwerk.




Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann