Nachlese

St. Patrick’s Day wird weltweit gefeiert – da macht Algermissen keine Ausnahme

Sue Sheehan Band zu Gast im Alten Wasserwerk




Jährlich am 17. März ist die Welt ein bisschen grüner. Dann nämlich wird nicht nur in Irland, sondern weltweit der St. Patrick’s Day gefeiert. So auch im Alten Wasserwerk Algermissen. Die amerikanische Songwriterin mit irischen Wurzeln, Sue Sheehan, ist am 17. März mit ihrer Band in den Kulturbrunnen Algermissen gekommen, um als Quartett Songs aus eigener Feder aber auch Traditionelles zu performen – amerikanisches Songwriting mit einer Prise Gospel und Jazz.

Im ausverkauften Haus konnte sich das Publikum schon beim ersten Titel „Wind“ fühlen wie an einem Sommerabend: im Gras liegend und nur den Moment genießend. Viele der englischsprachigen Kompositionen verarbeiten selbst Erlebtes der Sängerin. Sue Sheehan lebt seit 1986 in Europa und sie lässt sich von Begegnungen und Reisen inspirieren, etwa im Titel „Waiting for the train“. Um Sehnsüchte dreht sich das Stück „Magic and dreams“ – die Sängerin scheut sich nicht, auch politisch hoch brisante Themen anzusprechen.
Natürlich: Kein Konzert am St. Patrick’s Day ohne eine Hornpipe, also ein traditionelles Tanzstück der schnellen Töne.

Guido Plüschke fungiert als Entertainer des Quartetts, und mit seiner leichten und unterhaltsamen Art ließ sich das Publikum etwa bei den Tanzstücken „From Galway to Dublin“, „My love is in America“ sofort mitnehmen. Es honorierte die Stücke mit anhaltendem Beifall. Der Gitarrist Cornelius Bode und die Flötistin Gabriele Bode machen das Quartett komplett. Cornelius Bode sieht sich „als Rückgrat der Band“ und er ließ mit „gefühlvollem und perkussiven Gitarrenspiel die passende Atmosphäre entstehen.“ Gabriele Bode beeindruckt das Publikum mit ihrem intensiven Flötenspiel.

Dass die vier Spaß am gemeinsamen Musizieren haben, war während des gesamten Konzertes überdeutlich und auch, wie wichtig es ihnen ist, ihr Publikum auf eine musikalisch vielseitige Reise mitzunehmen. Das funktionierte, wie man am donnernden Applaus am Ende ihres zweistündigen Konzertes und nachdrücklichen Zugabe-Wünschen unschwer erkennen konnte. Fazit: Ihre Songs illustrierten, warum Irland seinen Beinamen „grüne Insel“ zu Recht trägt. Und nach häufig zu hörenden Spruch, dass sich in Irlands Landschaft „40 shades of green“ – also 40 verschiedene Grüntöne – verstecken, kann man davon ausgehen, dass die Sue Sheehan Band daraus noch eine Menge mitreißender Musik machen kann.
















Text Petra Schröter, Foto: Thorsten Schröter





Vollendete Vokalmusik ohne aufgesetzte Effekte:


„Wait4it“ setzt Glanzpunkt im Alten Wasserwerk

1994 erschien beim ECM-Label eine CD, die die Macht der Stimme ähnlich symbolisieren sollte wie die Musik der „Drei Tenöre“ oder der „Wise Guys“: „Officium“. Das in der langen Tradition des englischen A-cappella-Gesangs stehende „Hilliard Ensemble“ hatte sich mit dem norwegischen Starsaxofonisten Jan Garbarek zusammengetan und tourte einige Jahre mit seiner mit freien Saxofonlinien unterlegten Renaissancemusik des spanischen Komponisten Cristóbal de Morales quer durch Europa. Die Konzerte fanden ausschließlich in großen, meist ausverkauften Kirchen statt, wo die akustischen Verhältnisse Klang und Zusammenspiel von Stimme und Saxofon sich in besonderer Weise entfalten ließen.

Die Begeisterung für A-cappella-Musik im Allgemeinen und für „Wait4it“ im Besonderen sorgte auch im Wasserwerk für ein ausverkauftes Konzert. Doch akustisch spielt der feine aber kleine Veranstaltungsraum naturgemäß in einer anderen Liga als Kirchen. Seine trockene Akustik fordert heraus statt zu unterstützen, und sie verzeiht nicht den kleinsten Wackler, zumal bei einem Vokal-Quartett, das bei seinem Vortrag eine große dynamische Bandbreite abdeckt – unplugged. Umso schwerer wiegt der exzellente Eindruck, den „Wait4it“ trotz dieser Widrigkeit in punkto Intonation und Ausgewogenheit – wieder – hinterlassen hat.

Die Eröffnung des Abends gedieh zart: „November“, eine Eigenkomposition, entwickelte sich aus einem einstimmigen Gesang, um sich allmählich zur Mehrstimmigkeit mit aufsteigend gebrochenen Akkorden zu entwickeln. Choreographische Elemente wurden kongruent zur musikalischen Steigerung eingeschliffen, wie auch Wah-Wah-Effekte und Scatgesang. Nicht minder eindrucksvoll fiel das Arrangement von „Danny Boy“ aus, dem irischen Klassiker „A Londonderry Air“, polyphon konzipiert, wobei die Stimmlagen regelmäßig zwischen Lead- und Gegenstimme wechselten. Dieses kaum spürbare Umschalten, wie auch das Nachahmen von Bass und Schlagzeug durch Vocal Percussion oder Beatboxing, durch Klatschen, Fingerschnipsen oder Eggshaker fanden sich in diversen Stücken des Ensembles wieder und trugen zu einer farbigen Klangvielfalt bei.

„Wait4it“, das sein vorzügliches Können, seine erstklassige Performance angenehm selbstbewusst präsentierte, zeigte sich bei allen künstlerischen Superlativen entspannt und sympathisch. Das exzellente Konzert fand mit dem bezaubernden Lied „Feuerzeug“ zur Ruhe, und die Songzeile, „Ich brauch keinen Himmel voller Sterne“ entsprach dem Gefühl des andächtigen Zuhörers, der nachhaltig erfüllt war von einem wunderschönen Musikerlebnis im Alten Wasserwerk.




Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann