Ein Konzert der Superlative im Alten Wasserwerk: Djangos Friends aus Braunschweig boten hochkarätigen Gypsy-Swing

 

Am Anfang des zweiten Sets kam der unabdingbar ultimative Befreiungsschlag. Es hielt mehrere KonzertbesucherInnen nicht mehr auf den Sitzen. Sie nutzten den knappen Raum hinter der letzten Stuhlreihe im gut besetzten Wasserwerk, um ihre Gemütslage endlich auch tänzerisch ausleben zu können. „Djangos Friends’“ phänomenaler Gypsy-Swing hatte Wirkung gezeigt und Besitz von Körper und Geist ergriffen. Keine Warm-up-Phase, sondern toppräsent und fesselnd vom ersten Ton an.

 

Django Reinhardt, das lässige Drei-Finger-Genie, entwickelte auf Grund eines Unfalls, in dessen Folge nur noch drei Finger seiner linken Hand funktionierten, in den 40er-Jahren eine völlig neue und hochvirtuose Gitarren-Spieltechnik und steht für die Eigenständigkeit des frühen europäischen Jazzbewusstseins. So wie Amerika Louis Armstrong oder Charlie Parker hatte, so bewies Django Reinhardt, dass improvisierte Musik auch in der Alten Welt ihre Wurzeln haben konnte. Sein Musikstil stand unter dem Einfluss verschiedener Traditionen, wie der Walzer-Folklore der Musette, dem swingenden Beat der Dreißiger, der Sinti-Musik oder Flamenco-Elementen.

 

Django Reinhardts musikalische Virtuosität und Genialität zum elementaren Bestandteil seiner eigenen Musik zu machen, setzt eine perfekte Beherrschung der Gitarre voraus. Michael Kujawa hatte seine diesbezügliche Souveränität und sein großes Können bereits als erster Preisträger diverser internationaler Wettbewerbe unter Beweis gestellt. Im Alten Wasserwerk nun brannte er ein musikalisches Feuerwerk mit nahezu unerschöpflichen Ideen und Melodien ab, überaus virtuos und voll interessanter Klangeffekte. Carsten Giere unterstrich die Wichtigkeit der Rhythmusgitarre in einem solchen Kontext – immerhin ohne Schlagzeug – durch seine brillant gespielten Schlagmuster, ob filigran oder eher perkussiv. Heinrich Römisch am Kontrabass bereitete das perfekte Fundament, entlockte dem Publikum mit seinen virtuosen Soli wiederholt Begeisterungsstürme und unterstrich, dass er zu den Topbassisten Braunschweigs gehört.

 

Ein Abend der Superlative: super Musik, super Publikum, super Stimmung. Und wieder einmal ein Beispiel, dass sich Musiker, die in mancher Großstadt große Konzertsäle füllen, immer wieder auch den Weg auf die Kleinkunstbühne suchen und sich beeindruckt zeigen von einem Publikum, das ganz nahe ist und seiner Begeisterung in der Weise freien Lauf lässt wie beim Konzert von „Djangos Friends“ beim Algermissener Kulturbrunnen. Langanhaltender gegenseitiger Applaus.

 

Text und Fotos: Hans-Jürgen Niemann

 

 

»

Algermissener Kulturbrunnen e. V. gestaltet die Sendung Plattenkiste von NDR 1 Niedersachsen

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen.


Am 22. November zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Uwe Rosenkranz, Egbert Rösner und Hans-Jürgen Niemann mit Moderatorin Martina Gilica über die Arbeit des Vereins Algermissener Kulturbrunnen.

Seit fünf Jahren gibt es den Kulturbrunnen. Entstanden ist dies aus einer seit 37 bestehenden Männerkochgruppe, berichtet Uwe Rosenkranz. Als es immer enger wurde, kam Egbert Rösner auf die Idee, das seit 15 Jahren leer stehende Wasserwerk zu nutzen. Bis 1993 war dort die Wasserversorgung für Algermissen. Das ovale Gebäude musste umgebaut werden. Zwei Decken wurden eingezogen – alles mit Hilfe der Gemeinde und jeder Menge Eigenleistung. Mittlerweile hat sich das alles in Algermissen herumgesprochen – und neben dem Kochen findet noch viel mehr statt. Hans-Jürgen Niemann ist in Algermissen geboren. Er hat viele Jahre als Kulturschaffender in Braunschweig und Hannover gelebt, bevor er in seinen Geburtsort zurück ging. Er staunte über die Energie für den Verein – und trat ein. Am Anfang waren es nur 17 Mitglieder, heute sind es 70. Es macht allen viel Spaß, und auch die Künstler, die kommen, begeistern Vereinsmitglieder wie Gäste.

Uwe Rosenkranz ist in der Kochgruppe, auch wenn seine Frau gut kocht, schmunzelt er. Gekocht wird themenbezogen – einer kümmert sich um den jeweiligen Abend, macht die Einkäufe, bringt die Rezepte mit und informiert über alles. Uwe Rosenkranz erhält als einziger die Rezepte, die er dann am Abend präsentiert. Beim vorigen Treffen wurde afrikanisch gekocht, verantwortlich war Egbert Rösner. Ein Urlaub in Marokko inspirierte ihn zu Rezepten aus Kenia und dem Senegal mit Kichererbsen und Fisch. Im Moment sind 18 Leute in der Kochgruppe, aber nicht jeder kann zu jedem Termin, so dass sie meistens zu zwölft sind – und das passt gerade noch vom Raum her mit der Küche. Vor einiger Zeit haben die Köche Flüchtlinge eingeladen. Die erste Aktion waren Rezepte aus deren Ländern: Syrien und Afrika. Gemeinsam mit den Flüchtlingen gingen sie einkaufen. Auberginen wurden auf dem Gasherd direkt auf die Flamme gelegt – an dieses Ereignis erinnern sie sich. Am zweiten Abend boten die Köche den Flüchtlingen deutsche Küche an, mit Rücksicht auf religiöse Vorschriften – das machte auch allen Spaß. Ein weiteres Projekt ist, junge Leute mit dem Kochen vertraut zu machen, bevor sie „Hotel Mama“ verlassen – das wird demnächst angeboten.

Im Kulturbrunnen ist auch sonst viel los: Diverse Ereignisse locken Besucher an. Präsentiert werden Konzerte, Diavorträge, Lesungen. Die Aufgabe des Vereins ist zu erreichen, dass die Künstler und Referenten eine gewisse Gage bekommen. In Algermissen kann man nicht 20 Euro Eintritt nehmen, erklärt Hans-Jürgen Niemann. Insofern darf die Gage nicht zu hoch sein. Durch seine Arbeit an der Städtischen Musikschule Braunschweig hat er viele Kontakte und spricht mit seinen Kollegen, die dann auch gern mal auftreten. Auch die Musikschule Hildesheim hilft dabei, Künstler zu vermitteln. Am kommenden Sonnabend ist ein Trio aus Braunschweig mit Jazz-Gipsy-Musik zu Gast, vor zwei Wochen gab es einen Liederabend. Abwechslung ist also garantiert. Mehr dazu steht auf der Seite www.algermissener-kulturbrunnen.de.

Von: NDR 1 Niedersachsen | Petra Stegmann | Tel.: 05 11-9 88-21 71.


v.l. Uwe Rosenkranz, Egbert Rösner, Martina Gilica und Hans-Jürgen Niemann


























Bild vom NDR, Fotograf nicht eindeutig. Bei Rückfragen bitte an den Systemadministrator wenden. Vielen Dank

»

Stimmungsvoller Liederabend im Alten Wasserwerk

Julia Schönleiter und Dietmar Gessner brillierten vor großem Publikum

 
Algermissen Dichtung und Wahrheit liegen manchmal weit auseinander. Das betrifft die mit Superlativen übersäte Werbung für Verbrauchsgüter ebenso wie Offerten im Kulturbereich. Das macht dem interessierten Konzertgänger die Entscheidung für oder gegen einen Konzertbesuch nicht unbedingt leichter. Diejenigen allerdings, die sich zum Liederabend von Julia Schönleiter und Dietmar Gessner auf den Weg ins Alte Wasserwerk gemacht hatten, erfuhren dort ein Live-Erlebnis, das wohl die meisten Erwartungen übertraf.
 
Der rote Faden des Abends: „Ohne Musik ist alles nix“. Er war spürbar vom ersten bis zum letzten Ton. Über die exzellente Performance der Künstler hinaus unterstrich das Konzert auch die Bedeutung programmatischer Texte, also die gekonnte Verschmelzung von Musik und Lyrik. Texte etwa, die eigene Gedanken, Gefühle und Sehsüchte kunstvoller formulieren, als man es selbst vermag – „Wenn all das, was vor dir liegt auf einmal ’nen Sinn ergibt, dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht“, aus dem Lied „Du bist das Licht“. Sozialkritisch: „The Town I Loved So Well“, ein Song des Iren Phil Coulter aus dem Jahr 1973, der sich mit dem Nordirland-Konflikt auseinandersetzt und zunächst das einfache, aber glückliche Leben in den Arbeitervierteln von Derry beschreibt, jener Stadt, die, wie die letzten Strophen dann dramatisch beschreiben, durch den blutigen Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in die Knie gezwungen wurde – „To see how a town could be brought to its knees“.
 
Julia Schönleiter beherrscht die diversen Genres und Stimmlagen gleichermaßen brillant, beeindruckt darüber hinaus mit stimmlicher Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, der sie sich u.a. bei Édith Piafs „La Vie en Rose“ oder bei „Red ist the Rose“ mit einem an Joan Baez erinnernden Timbre bedient. Als angenehm unaufgeregter und professioneller Begleiter wies sich Dietmar Gessner aus, engagiert und perfekt im Zusammenspiel, seinem Gitarrenklang stets nachsinnend. Zur positiven Bilanz eines großartigen Liederabends passte dann am Ende die Zeile „Good night and joy be to you all“ aus Ed Sheerans Song „The Parting Glass“, ebenfalls eine Art „Ode an die Freude“.
 
 
Text Hans-Jürgen Niemann | Fotos Thorsten Schröter
 
 

»

Ein Abend introvertierter und extrovertierter Intensität:

GOD-Events präsentiert ein dreiteiliges Event im Alten Wasserwerk


William Niese ist mit seiner Agentur „GOD-Events“ im Raum Hildesheim zu einer wichtigen Institution im Konzertwesen geworden. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem Kulturbrunnen und ihm führte bereits zu zahlreichen interessanten Veranstaltungen.

Die junge Sängerin und Pianisten Nina Luttmann, Preisträgerin beim diesjährigen „Hört! Hört!“-Finale in Hildesheim, eröffnete den Abend mit Kompositionen aus eigener Feder. Mit Texten und Melodien, die alles andere als flach sind. Die natürlich (im wahrsten Sinne des Wortes) von Liebe handeln – „I’m afraid of love“ – , aber mit derselben Selbstverständlichkeit Gesellschaftsprobleme fokussieren – „No one loves to see what humans do to humans“. Tiefsinnig, nachdenklich, bei englischen Texten bisweilen an einen weiblichen Neil Young erinnernd. Ein Wechsel zwischen Harmonie und Disharmonie auch in ihrer Klavierbegleitung – das passt. Das allmähliche Einschleifen auf die genaue Intonation bei längeren Vokalen oder beim schwierigen Wechsel von Brust- auf Kopfstimme erinnert bisweilen an den Britpop der 90er.

Es folgte „Sst – Ein Tanzstück!“ aus dem Bereich Theater und Tanz. Die Darstellerin, Pia Kröll, studiert derzeit Theater, Tanz, Performance und Literatur an der Universität Hildesheim. Auf einem Stuhl sitzend, Wassergurgeln im Hintergrund, scheinen sich ihre Gliedmaßen zu verselbständigen. Die Akteurin hat Mühe sie zu kontrollieren, scheint unangenehm Berührendes abwehren zu müssen. Es folgt eine Phase der Ruhe, dann erwecken auf Stativen stehende Lautsprecher – Wesen – ihre Neugier. Sie fühlt sich hingezogen, begehrt Aufmerksamkeit. Doch ihre Bemühungen scheinen vergeblich: Wut, Zerstörung. Ruhe, irgendwann „Luna“; überirdisch. – Großer Applaus für eine eindrucksvolle Performance.

Der dritte Act: R.A.N.. Dahinter verbirgt sich der Hildesheimer Songwriter Ralf Neite. An seiner Seite: Juliane Steinmann – Gesang, Bratsche und Melodica. Der Abend im Alten Wasserwerk wird nun noch intensiver und lauter – nur akustisch, und niemals unangenehm. Etwa so wie bei Richie Havens’ „Freedom“ in Woodstock, der seine Botschaft mit beeindruckender Authentizität aber alles andere als leise herüberbringt. Manchmal geht es eben nicht leise. R.A.N. im Wasserwerk: sozialkritische Texte, perkussive Gesangsmomente wie bei Grönemeyer, offene Gitarrenakkorde als wunderbarer Kontrast zum reinen Dur-Moll, leidenschaftlich, beseelt und voller Poesie, garniert mit einfühlsamer instrumentaler und gesanglicher Begleitung von Juliana Steinmann.

Text und Bilder: Hans-Jürgen Niemann

Nina Luttmann



Pia Kröll



Juliane Steinmann und Ralf Neite




»

As Times go by im Alten Wasserwerk

„High Spirits“ und der künstlerische Quantensprung



Der internationale Durchbruch der Beatles geschah nicht in ihrer Heimatstadt Liverpool sondern in Hamburg. Möglicherweise eine Bestätigung, dass der Philosoph im eigenen Land nichts gilt. Zuweilen läuft es anders, nämlich direkt und geradlinig. Beispiel: „High Spirits“, die Jugendband, die vor viereinhalb Jahren aus der Musikszene der Zwölf Apostel Kirche Sarstedt-Land hervorging. Sie hat mit ihrer Musik nicht nur jenseits der Gemeindegrenzen brilliert, sondern genießt auch vor Ort großes Ansehen.



Die als Gartenkonzert angekündigte Veranstaltung musste wegen unbeständigen Wetters ins Wasserwerk verlegt werden – was ihr wegen der intimen Atmosphäre des Raums und der Nähe der Akteure zum Publikum im Übrigen gut tat. So konnte „High Spirits“ ein mitreißendes musikalisches Feuerwerk abliefern, wuchs bisweilen über sich hinaus. Der Vorsitzende des Kulturbrunnen, Egbert Rösner, brachte es in seinem Schlusswort auf den Punkt, als er von einem Quantensprung sprach, den die Band seit ihrem ersten Auftritt 2013 vollzogen hätte – was auch die Meinung des begeisterten Publikums widerspiegelte.



Die Coverband hat ihren Songs mittlerweile eine eigene Note, einen unverwechselbaren „High Spirits“-Sound verliehen. Dabei gestaltet sich Paula Rösners und Sabrina Rühmkorbs zweistimmiger Gesang traumwandlerisch und (atmo)sphärisch. Philipp Schäfers Altsaxofon fügt sich einfühlsam, quasi als dritte Gesangsstimme ins Konzept ein oder steuert meisterhaft gespielte Soli bei. Ole Kottlarz hat sich in kurzer Zeit zu einem ausgezeichneten Bassisten entwickelt, der das sichere Fundament bildet, ohne das ein Song auseinanderzufallen droht. Auf dieser Basis brilliert Jens Nanninga mit virtuosem und hochmusikalischem Schlagzeugspiel, mit einem Groove, wie man ihn seit Jahren von ihm kennt und wie er mitreißender nicht sein kann. Unauffälliger, aber ebenso meisterlich sorgt Lorenz Knopf mit großartigem Gitarrenspiel für Gänsehaut – nicht nur bei der Bohemian Rhapsody, einem der Paradestücke der Band.



Text und Foto: Hans-Jürgen Niemann

»

Wenn Blues und Funk Funken schlagen:

Das Alte Wasserwerk und der mitreißende Groove von „Cissy Strut“






Irgendjemand muss irgendwo den richtigen Hebel bedient und über Nacht die Wolken vertrieben haben. Und so erstrahlte der Garten des Alten Wasserwerks bei der ersten Jazztime im sommerlichen Glanz. Um ganz sicher zu gehen, legte die Fusionband „Cissy Strut“ später mit dem durch Tina Turner zum Welthit avancierten „I can’t stand the rain“ (ich ertrage den Regen nicht) nach. Ein interessiertes und aufgeschlossenes Publikum war der Einladung des Kulturbrunnen zu diesem Open Air-Event gefolgt, das Musik auf hohem Niveau und Partylaune versprach – angereichert mit Getränken und appetitlichen Grillspeisen.



“Cissy Strut“: der Name der Band ist Programm. Einem instrumentalen Funk-Stück der Gruppe „The Meters“ aus dem Jahr 1969 entlehnt, das es als Single (das waren diese kleinen schwarzen Vinylplatten) auf Nummer 4 der Rhythm & Blues Charts schaffte – jenes Genre, das die Elemente von Blues, Funk, Soul, Pop und Hip Hop verbindet. Der Groove „Cissy Struts“ ist umwerfend, geht spontan in Bauch und Beine und versprüht pure Lebensfreude. Die Kunst, beim Publikum einen Zustand des Abhebens und Dahinschwebens zu erreichen, bedarf mehr als rein handwerklicher Qualitäten – hier erwies sich ohnehin jeder der fünf Musiker als meisterlich. „Cissy Struts“ Musizierfreude, das perfekte Zusammenspiel und blinde Verständnis sowie die exzellenten Arrangements der Songs sorgten für einen absoluten Glanzpunkt innerhalb der fünfjährigen Konzertreihe des Kulturbrunnen.



Hans-Jürgen Niemann

»

Im Glanz vergangener Zeiten

Das Salon-Quartett „SA-SA-QU“ präsentiert sich im Alten Wasserwerk

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Deutschland eine Vorliebe für alles Amerikanische, im Alltag wie in der Alltagskultur. Das Nachtleben in Großstädten wie Berlin oder München war von Klubs, Bars, Kabaretts oder Revuen geprägt. Der Jazz hielt Einzug und erreichte auf Grund seiner Tanzbarkeit und dem vollen Klang der Bigbands und Salonorchester große Popularität.


Das Salonquartett „SA-SA-Qu“ hat sich der Musik eben dieser Zeit verschrieben und konzertierte auf Einladung des Algermissener Kulturbrunnen im Alten Wasserwerk. In ungewöhnlicher Besetzung – Klavier, Klarinette/Saxofon, Oboe und Bassklarinette – ließen die Musikerinnen das Publikum mit ihrer hinreißenden Musik den Charme dieser längst vergangenen, aber noch allgegenwärtigen Epoche spüren; übrigens in Begleitung eines Conferenciers, der stilvoll durch das Programm führte.


Es war ein kurzweiliger, beschwingter Konzertabend vor – wieder einmal – ausverkauftem Haus, bei dem unvergessliche Tonfilmschlager im Mittelpunkt standen, umrahmt vom schwungvollen Charleston und Swing. Das Publikum, sichtbar begeistert und mitswingend, quittierte die Performance der Künstlerinnen mit entsprechend lang anhaltendem Applaus: Zwei Zugaben. Gerne wieder.


Hans-Jürgen Niemann
Foto: Petra Schröter
.





»

“Che mondo meraviglioso” – oder “What a wonderful world”

Musikalischer Hochgenuss mit dem Entertainer Giorgio Claretti im Alten Wasserwerk


„Giorgio Claretti“, allein der Name klingt wie Musik. „Heißen Sie wirklich so?“ Die Frage stand kurz im Raum. Ebenso die Antwort: si. Ja. In Wolfsburg geboren und in Braunschweig aufgewachsen. Giorgio Claretti ist als Kind italienischer Einwanderer in zwei Kulturen groß geworden. Einfach so. Geht doch. Für viele der europäische Traum. Als Sohn eines Schneiders im Staatstheater Braunschweig bekam er früh die Gelegenheit, die Faszination „der Bühne“ hautnah mitzuerleben.


Wie schon am Valentinstag 2016 feuerte Claretti auch bei diesem Event im Alten Wasserwerk ein musikalisches Feuerwerk erster Güte ab. Seine Stimme, irgendwo zwischen Paolo Conte und Joe Cocker liegend, bedient sich vieler Facetten: leidvoll und verzagt, kraftvoll am Limit oder italo-amerikanisch-leger, immer intensiv und engagiert, stets im Thema und toppräsent. Witzige und stilsichere Anmoderationen runden den musikalischen Genuss ab. Natürlich kennt der unverfälschte Italo-Charme auch keine Berührungsängste gegenüber dem Publikum, dem das Konzert sichtlich Freude bereitete und wiederholt Begeisterungsstürme entlockte. Auch für das leibliche Wohl war durch einige nicht minder kreative Hände der Männerkochgruppe des Kulturbrunnen gesorgt: die dargereichten Antipasti waren nicht nur nach dem Geschmack Clarretis erstklassig.


Hans-Jürgen Niemann


TEST
v.l. Giorgio Claretti, Egbert Rösner








»

Das Alte Wasserwerk und die Heimat von Mittelerde:


Dieter Beckötter präsentiert faszinierenden Reisebericht von Neuseeland


Algermissen Die Erkenntnis, dass die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe, ist älter als man glauben mag. So wollte der italienische Seefahrer Christopher Columbus im Wettlauf mit Portugal den Seeweg nach Indien/China in westlicher Richtung erschließen. Auch Conny und Dieter Beckötter entschieden sich bei ihrer Halbumrundung der Weltkugel für die westliche Route, wenn auch aus anderen Gründen. Ihr 24 Flugstunden entferntes Reiseziel im südlichen Pazifik: der Inselstaat Neuseeland.


Das bis auf den letzten Platz ausverkaufte Wasserwerk bewegte den überraschten Beckötter gleich zu Beginn zu der Anmerkung, die üblichen Diavorträge vergangener Jahrzehnte mit ihren gefühlten 5000 Fotos hätten beim anwesenden Publikum offensichtlich keine bleibenden Schäden hinterlassen, geschweige denn das Interesse an fernen Gefilden gemindert. Neuseeland wird, wie Irland, auch als „grüne Insel“ bezeichnet, was mit dünner Besiedlung und großer Naturvielfalt zu tun hat. Ihre Unberührtheit sowie die vielfältige und einzigartige Vegetation sind auch durch die relativ isolierte Lage bedingt. Neuseeland besteht aus der Nord- und der Südinsel, sowie zahlreichen kleineren Inseln. Die beiden Hauptinseln werden durch die an der schmalsten Stelle 23 km breite Cookstraße voneinander getrennt. Das britisch geprägte Neuseeland befindet sich an der Grenze zwischen Australischer und Pazifischer Platte, was jährlich etwa 1000 Erdstöße zur Folge hat, von denen 100 leicht zu spüren sind.


Nach ihrer Ankunft in Christchurch eröffneten die Beckötters die Erkundung der Südinsel in Tepako mit der „Church of the Good Shepherd“. Die unscheinbare Kapelle ist dank ihrer atemberaubenden Lage eine der meistfotografierten Kirchen Neuseelands. Im Herzen der Südinsel liegt der Aoraki Mount Cook Nationalpark, eine Bergkette mit dem höchsten Berg Neuseelands, dem Mount Cook. Der Fiordland National Park gehört zum Weltkulturerbe: unberührter Regenwald und rauschende Wasserfälle, die über Klippen und Kaskaden in die tiefen schwarzen Fjorde rauschen. Das kommerzielle Bungee-Jumping wurde 1988 angeblich in Queenstown, einer ehemaligen Goldgräberstadt, erfunden, wo sich mancher von der 134 m hohen Nevis Highwire-Platform in den freien Fall wagt, – die „Chicken“ mal ausgenommen.


Die Nordinsel Neuseelands fasziniert in gleicher Weise mit ihrer malerischen Kulisse. So verwundert es nicht, dass sich Regisseur Peter Jackson diese in den „Herr der Ringe“- und „Hobbit“-Trilogien als beeindruckende Kulisse für die sagenumwobene Welt von Mittelerde zunutze machte. Mehr als 150 authentische Naturkulissen Neuseelands wurden verwendet. Die erhabene Eiche allerdings ist aus Stahl und wurde in Taiwan gefertigt. – Und wie sind die Neuseeländer? Freundlich, herzlich, positiv: „What a wonderful day comes up“.

»

Rindergulasch statt Arabischem Reiterfleisch



Flüchtlinge und Kochgruppen kochen erneut gemeinsam im Alten Wasserwerk

 Rote Bete-Salat, Kartoffelcremesuppe, Rindergulasch mit Gurkensalat und Spätzle, Lauchkuchen und zum Nachtisch Rote Grütze mit Vanillepudding – gemeinsam kreiert von 12 Flüchtlingen aus Syrien und dem Iran und 13 Mitgliedern der Kochgruppen des Kulturbrunnens. Es wurde viel geschnippelt und miteinander geredet – natürlich Deutsch: wenn das kein integrativer Weg ist – und zwar beidseitig. Und die Bürgerstiftung sorgte dankenswerterweise für die erforderliche finanzielle Unterstützung. Es war ein Abend der glücklichen Gesichter, ein Abend der bestätigt, dass sich Flüchtlinge in Algermissen wohlfühlen und dass sich Bürger dieser Gemeinde weiterhin berühren lassen und unterstützend tätig werden.


von: Hans-Jürgen Niemann























»